Sonntag, 30. Oktober 2011
Heeeerst…
Die Europacuplosen Wochen ziehen ins Land. Der Thermometerstand sinkt wöchentlich und die Leistung unserer Mannschaft schwankt wie in Angesoffener bei Wind. Angesoffen kamen einem unsere Spieler diesen Herbst nicht erst einmal vor. Um nur Tage später mit einer Heroenleistung dann doch zu überraschen. Und - wiederum nur Tage später - erneut kläglich zu enttäuschen. Der Protest gegen die sportliche Talfahrt, die zu hinterfragende Transferpolitik, die großteils willkürlich verteilten einhundert(!) Stadionverbote und den Monstergerichtsprozess wegen der „Westbahnhofgeschichte“ laufen nach wie vor. Der immer intensiver werdende Support signalisiert allerdings eine - langsame - Rückkehr zur Normalität. Wie gesagt, langsam. In etwa so wie der Mecki. Die Mannschaft signalisiert aber nach wie vor die Attitüde eines eingeschnappten Fünfjährigen, der sich trotzig stellt und keinen Schritt entgegen kommen möchte. Anders ist die nach wie vor Nichtverabschiedung der West nach Siegen - trotz des wieder anlaufenden Supports, wie es von Spielern und Trainern heftig gefordert wurde -, nicht erklärbar. Transfers werden für den Winter bereits angekündigt. Abgänge wie Neuverpflichtungen. Zu den Abgängen wird wahrscheinlich Christoph Saurer zählen. Auf Grund des Sportlichen wäre dies zumindest eine logische Schlussfolgerung, spielt der „Liebling der Fans“ ja eigentlich so gut wie kaum. Hätte man sich das ganze Trara um seine Person in der letzten Saison dann eigentlich auch sparen können. Die Sparpolitik ist es schließlich, die die Person Edlinger alt aussehen lässt. Seit Jahren. Fakt ist aber, dass genau jene Person und eben diese Marschroute es waren, die unseren Klub in den letzten Jahren saniert haben. Und das ohne an sportlicher Konkurrenzfähigkeit einbüßen zu müssen. Größtenteils zumindest. Neuverpflichtungen im Angriff sind aber dennoch gerne erwünscht. Burgstaller hat gestern gegen Sturm sehr überzeugt. Halt dort, wo er hingehört, im Mittelfeld. „Und bitte gar schön, Herr Schottel, unterlassen’s diese Doppelsechs! In Österreich ist das für’n Hugo!“ Dass unsere Abwehr eigentlich die zweistärkste der Liga ist, sollte trotz der Brustschwimmerqualitäten auch erwähnt werden. Die Zahlen lügen nicht. Glauben mag man das zwar nicht und sollte eher auch als „Einäugiger unter den Blinden“ interpretiert werden. Die Talfahrt ist also lang noch nicht abgeschlossen, wie uns heute nach dem Zittersieg über Sturm medial suggeriert wird. Und so können wir unisono und eigentlich im Sinne aller sagen: „Des Woame muass a End hobn!“
Samstag, 20. August 2011
Vor dem Derby ist nach dem Platzsturm
Ganz pfui war dieser Platzsturm. Zumindest wenn man dem Großteil der Medien Glauben schenken mag. Die mediale Debatte - in der eigentlich eh nur der einen Seite Gehör verliehen wird, der anderen aber höchstens abfällig Zeilen gewidmet werden - ist allerdings eine scheinheilige. Denn exakt neunzig Tage nach Geschehenem schert sich jener Teil der Bevölkerung, der nichts mit Fußball am Hut hat, genau gar nicht mehr darum. Die Menschen haben erkannt, dass es - zumindest für sie - wichtigeres im Leben als den „Hassgriechen“ gibt. Und vielleicht hat der ein oder andere ja sogar den populistischen Senf vom „Bürgerkrieg“ sinngemäß hinterfragt, in Zeiten in denen in Libyen oder Syrien tatsächlich ein solcher tobt.
Die grün-weiße Fanszene muss dennoch mit den Konsequenzen leben, die die reißerische Berichterstattung verursacht haben. Denn entgegen der Stellungnahme des Polizeieinsatzleiters vom Derby, Oberst Fritz Schwartz, („Wir werden nicht darauf drängen, dass jedes Match zwischen Rapid und Austria im Happel-Stadion gespielt wird. Das Hanappi-Stadion ist grundsätzlich ein sicheres Stadion. Es kommt eben darauf an, wie sich die Fans verhalten“) wird das erste Derby seit dem Platzsturm, morgen trotzdem im Prater stattfinden. Das Sicherheits-Argument kann dem zu Folge erneut als manipulativer Populismus entlarvt werden. Einfacher Hausverstand hätte dies aber genauso getan, bedarf es denn keines großen Aufwandes in den Innenbereich des Happel-Stadions zugelangen. Immerhin schafften dies tausende zur Meisterfeier 2005 ja auch.
Im Gegenteil sollte für ein Derby im Praterstadion ein höheres Sicherheitsrisiko gelten als im Hanappi-Stadion, oder aber auch im Horr-Stadion. Denn dort können die rivalisierenden Fanmassen zumindest getrennt werden. Im weitläufigen Praterareal wird dies wohl nur schwer möglich sein. Einmal davon abgesehen, dass die grün-weiße Fanszene auf Grund der harschen Repression morgen wohl eh keinen Bock auf größere gröbere Auseinandersetzung haben wird, ist das Gerede von „Sicherheit“ warme Dampfplauderei.
Ein letztes Indiz dafür stammt in Zitatform von Präsident Edlinger persönlich. Im heutigen Kurier meint er: „Wo dann [Anm.: nächste Saison] die Derbys stattfinden werden, ist noch nicht entschieden.“ Insofern könnte dem Präsidenten rein finanzielles Kalkül unterstellt werden, um die entgangenen Einnahmen wegen des Geisterspiels doch zu lukrieren. Oder das „grundsätzlich sichere Stadion“ ist nächste Saison noch sicherer…
Die grün-weiße Fanszene muss dennoch mit den Konsequenzen leben, die die reißerische Berichterstattung verursacht haben. Denn entgegen der Stellungnahme des Polizeieinsatzleiters vom Derby, Oberst Fritz Schwartz, („Wir werden nicht darauf drängen, dass jedes Match zwischen Rapid und Austria im Happel-Stadion gespielt wird. Das Hanappi-Stadion ist grundsätzlich ein sicheres Stadion. Es kommt eben darauf an, wie sich die Fans verhalten“) wird das erste Derby seit dem Platzsturm, morgen trotzdem im Prater stattfinden. Das Sicherheits-Argument kann dem zu Folge erneut als manipulativer Populismus entlarvt werden. Einfacher Hausverstand hätte dies aber genauso getan, bedarf es denn keines großen Aufwandes in den Innenbereich des Happel-Stadions zugelangen. Immerhin schafften dies tausende zur Meisterfeier 2005 ja auch.
Im Gegenteil sollte für ein Derby im Praterstadion ein höheres Sicherheitsrisiko gelten als im Hanappi-Stadion, oder aber auch im Horr-Stadion. Denn dort können die rivalisierenden Fanmassen zumindest getrennt werden. Im weitläufigen Praterareal wird dies wohl nur schwer möglich sein. Einmal davon abgesehen, dass die grün-weiße Fanszene auf Grund der harschen Repression morgen wohl eh keinen Bock auf größere gröbere Auseinandersetzung haben wird, ist das Gerede von „Sicherheit“ warme Dampfplauderei.
Ein letztes Indiz dafür stammt in Zitatform von Präsident Edlinger persönlich. Im heutigen Kurier meint er: „Wo dann [Anm.: nächste Saison] die Derbys stattfinden werden, ist noch nicht entschieden.“ Insofern könnte dem Präsidenten rein finanzielles Kalkül unterstellt werden, um die entgangenen Einnahmen wegen des Geisterspiels doch zu lukrieren. Oder das „grundsätzlich sichere Stadion“ ist nächste Saison noch sicherer…
Dienstag, 16. August 2011
Stumm.
Dass nicht abrupt zur Tagesordnung übergegangen werden kann, ist verständlich. Die vergangenen zwei Wochen haben aber dank anständiger Kommunikation das Ruder, das metaphorisch für den Prozess zur Rückkehr zum Normalzustand steht, in die richtige Richtung umgerissen. Intensive Gespräche zwischen Klub und der aktiven Fanszene haben medial angestachelte Missverständnisse und aus dem Affekt Gesagtes relativiert. Dass Rapid als Verein von dem zu eilig gesetzten und von der Presse hochstilisierten Zehn-Punkte-Katalog nicht schon einen Monat später wieder Abstand nehmen kann, ist leider trauriges Faktum, aber auch verständlich. Persönlich war von unserer Gruppe keiner bei den Gesprächen anwesend, dass sich zwischen den Parteien aber „jene offene Gesprächskultur wieder herstellen“ ließ, ist ein erster Fortschritt. Genauso, dass die supportenden Fangruppen beim Heimspiel gegen Ried ebenfalls darauf hinwiesen, dass lediglich sie die akustische und optische Unterstützung momentan verweigern, jeder der aber dennoch die Mannschaft anfeuern möchte, dies gerne tun kann und soll.
Dementsprechend „englisch“ gestalteten sich die ersten Begegnungen (mal mit Ausnahme des Geisterspiels). Und ehrlich gesagt hatte auch der Roar von Süd und Nord beim Ried-Spiel das gewisse Etwas. Unser Gruppo mit Ausnahme vom Cup-Spiel in Linz, dafür beim Heimspiel der Amas gegen Neustadt, stets anwesend. Und weil der Fetzen auch vergangene Saison nicht immer hing, gibt’s bis auf die ausbleibenden Sprechchöre, keine wirklichen Unterschiede verglichen mit der letzten Saison. Denn spielerisch war das bislang Gezeigte nicht Fisch, nicht Fleisch. Die Siege gegen die Niederösterreicher waren trotz der Überlegenheit etwas glücklich, die Nullnummer im ersten richtigen Heimspiel gegen Ried offenbarte die fehlende Durchschlagskraft im Angriff erstmals. Und auch dieses Wochenende in Graz gelang es unserer Elf keinen Treffer zu markieren. Dass bei Nuhiu seit dem Winter eine konstante Weiterentwicklung zu betrachten ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Als Solospitze hapert es beim nicht ganz so „Langen“ aber noch ein bisserl am Kopfballspiel. Das 4:1 gegen Valencia war nett an zu sehen, aber wie man bereits sieht, nicht über zu bewerten. Mit acht bis zehn Punkten aus den vergangenen und den kommenden zwei Partien hätte man einen soliden Saisonstart hingelegt. Weil’s gegen Ried und Sturm aber nur einer wurden, sollte im Prater und in Salzburg überzeugender agiert werden. Das gelingt aber nur mit Toren. Dann klappt’s auch mit dem Support.
Dementsprechend „englisch“ gestalteten sich die ersten Begegnungen (mal mit Ausnahme des Geisterspiels). Und ehrlich gesagt hatte auch der Roar von Süd und Nord beim Ried-Spiel das gewisse Etwas. Unser Gruppo mit Ausnahme vom Cup-Spiel in Linz, dafür beim Heimspiel der Amas gegen Neustadt, stets anwesend. Und weil der Fetzen auch vergangene Saison nicht immer hing, gibt’s bis auf die ausbleibenden Sprechchöre, keine wirklichen Unterschiede verglichen mit der letzten Saison. Denn spielerisch war das bislang Gezeigte nicht Fisch, nicht Fleisch. Die Siege gegen die Niederösterreicher waren trotz der Überlegenheit etwas glücklich, die Nullnummer im ersten richtigen Heimspiel gegen Ried offenbarte die fehlende Durchschlagskraft im Angriff erstmals. Und auch dieses Wochenende in Graz gelang es unserer Elf keinen Treffer zu markieren. Dass bei Nuhiu seit dem Winter eine konstante Weiterentwicklung zu betrachten ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Als Solospitze hapert es beim nicht ganz so „Langen“ aber noch ein bisserl am Kopfballspiel. Das 4:1 gegen Valencia war nett an zu sehen, aber wie man bereits sieht, nicht über zu bewerten. Mit acht bis zehn Punkten aus den vergangenen und den kommenden zwei Partien hätte man einen soliden Saisonstart hingelegt. Weil’s gegen Ried und Sturm aber nur einer wurden, sollte im Prater und in Salzburg überzeugender agiert werden. Das gelingt aber nur mit Toren. Dann klappt’s auch mit dem Support.
Dienstag, 26. Juli 2011
Ein medialer Keil?
„Selbstüberschätzend“ bezeichnet Bernhard Hanisch in seiner Kurier-Kolumne den passiven Widerstand der Rapid-Anhängerschaft. Und durchaus abwertend wird medienübergreifend von „der vereinten Fanszene“ geschrieben, die mit der Initiative „United we stand“ den von Stadionverbot Bedrohten Unterstützung bietet - finanzielle wie rechtliche. Erpresst soll der Verein von jenen werden, die plötzlich stumm sind. Dass sich die Kurve mit den von Rapid gesetzten Maßnahmen nach dem Platzsturm nicht einverstanden zeigt, mag in der Öffentlichkeit nicht hingenommen werden. „Wer Scheiße baut, soll auch die Konsequenzen tragen.“ Bis zu einem gewissen Grad ist dies wohl nicht von der Hand zu weisen und wohl selbst die griechischsten, bürgerkriegsfanatischsten Platzstürmer werden dem konform zustimmen. Dass der von Rapid veröffentlichte Katalog aber an eine Auflistung populistischer Aktionen erinnert, um der breiten Öffentlichkeit das zu geben, wonach sie ruft, wird medial nur in ausgewählten Fachzeitschriften thematisiert. Weshalb diese stille Unmutsäußerung weiters als Erpressung interpretiert wird, entsinnt sich mir jeglicher logischer Denkweise. Nach dem Platzsturm wurde öffentlich mit sinnvolleren Möglichkeiten des Protests argumentiert, dass man sich das ganze Trara hätte sparen können, beispielsweise durch einen Stimmungsboykott. Jetzt wo die Fanszene auf einem höheren Niveau agiert, wird aber genauso wenig auf die „Gegenpartei“ eingegangen und weiter medial gemotzt. Erpressung wird der Westtribüne vorgeworfen. Nur ist es nicht ihr gutes Recht, ihre Sichtweise der Dinge öffentlich zu unterstreichen? Ich denke nicht, dass es seitens des Block West um eine Machtdemonstration geht, sondern einfach darum, den sinnvollen Dialog, der jahrelang praktiziert wurde, weiterhin aufrecht zu erhalten - oder zumindest wieder aufzunehmen, denn „ewig wird man das Fernbleiben des verletzten 12. Mannes auch nicht verkraften können.“
Samstag, 28. Mai 2011
Platzsturm & Drang
Die literarische Strömung „Sturm und Drang“ kam Mitte des 18. Jahrhunderts in der Epoche der Aufklärung auf. Genau darum geht’s auch uns: Aufklärung.
Eingangs sei erwähnt, dass wir nach reichlichen Diskussionen ziemlich konform der Meinung sind, dass der Platzsturm an sich kein zu verurteilender Ausdruck des Protests ist. Über die Durchführung lässt sich allerdings streiten. Ein friedlicher Sitzstreik à la Gandhi oder Rapid-GAK wäre in dem Fall die wohl zielführendere Maßnahme gewesen, meinen wir. Sei’s drum. Was passiert ist, ist passiert. Die anschließende mediale Hetzjagd auf jene „Schwerverbrecher“ ist unserer Ansicht nach, eher in die Kategorie „Terror“ einzustufen als der Platzsturm an sich. Blauäugige Printmedien (eingeschlossen solcher, die sich sonst deutlich vom Boulevard distanzieren) bauschen die Ereignisse zu einem Eklat auf, der angeblich weltweit für Schlagzeilen sorgt. Die harte Wahrheit ist, in ganz Europa schert sich kein Mensch um den österreichischen Fußball. Und das hat rein sportliche Gründe.
Die mediale Treibjagd erinnert an eine Mischung aus Propaganda und verdammt miserablem Klatsch. Es gibt wohl kein Printmedium, dass dieser Tage keine Unwahrheiten über die Vorfälle verbreitet. Für Medien und Politik scheint das größte Problem des Landes gefunden zu sein: Wir. Wir alle. Multimedial wird munter drauf los gedroschen. Der Kurier meint etwa, dass sich ganz Melk vor den Rapid-Rowdys fürchtet, die zu erwarten sind, wenn das neue Stadion bei einem freundschaftlichen Testspiel eröffnet wird. Meldungen dieser Art kann man ja noch mit einem Schmunzeln entgegen nehmen, viel kritischer sollten wir diversen „Lösungsvorschläge“ für „das Problem“ begegnen. Eine völlig weltfremde Innenministerin zeichnet sich mit dem Vorschlag eines „Vermummungsverbot“ aus. Nicht nur, dass es ein solches grundsätzlich schon gibt, sollte der werten Dame klar gemacht werden, dass ich mich nicht nur mit Kapuzen und Hauben verdecken kann. Schließlich werden wir dann alle nur noch in Unterhose im Block West stehen. Und selbst dann könnten sich Mutige immer noch mit ihrer Boxer vermummen. Gruppo Kreidl schlägt deswegen eine Dödl-Datenbank vor, wo an Hand der Schwänze identifiziert werden kann.
Das Vorbild an dem man sich orientieren müsse sei England, so weitere offizielle Stimmen kluger Schädeln. Durch All-Seater-Stadien, hohe Preise, Alkoholverbot, harten Strafen und Überwachung, Überwachung, Überwachung, sind „die“ so weit, wie sie jetzt sind. Sie haben es geschafft scharenweise Familien aus den betuchteren Schichten in die Stadien zu locken. Menschen, die an nichts anderem interessiert sind als Konsument des Produkts „Fußball“ zu sein. Zahlende Kunden, die für ihr Geld unterhalten werden möchten.
Auch wenn es schwer fiele und weh täte einen Scheintot der Fankultur vorzutäuschen, würde manchem so vielleicht die Augen geöffnet werden. Überall, in ganz Österreich: Neunzig Minuten Stille. Totenstille. Nichts, außer Anwesenheit, so wie in Linz. Über mehrere Wochen hinweg. Kein Tollhaus Sankt Hanappi, keine Zehntausend in Hamburg. Es wäre eine Vorschau auf jenes Szenario, dass sich Befürworter des Modernen Fußballs wünschen.
Den Leuten soll präsentiert werden, was sie aus unserem Sport machen. Doch vorerst gilt es abzuwarten wie weit „sie“ wirklich gehen. Die ersten Alibisanktionen wurden vom Verein bereits präsentiert. Mit Ausweiskontrollen will man dem „Problem“ entgegensteuern. Abzuwarten in welchem Ausmaß und auf welchen Tribünen dies exekutiert wird, die Leute werden dementsprechend antizipieren. Ähnlich dem „Goodhart’s Law“ in der Wirtschaft. Die Anekdote erzählt, dass die englischen Kolonialherren in Indien ein Kobraproblem hatten und deswegen, jedem der eine tote Schlange brachte, eine Prämie erhalte. In der Folge wurden die Kobras aber nicht weniger, sondern mehr, weil die Leute die Schlangen züchteten. Die Bevölkerung hat sich den Gegebenheiten angepasst. Genauso wird das im Hanappi vor sich gehen. Wenn Ausweiskontrollen nur auf der West stattfinden, kann man immer noch auf andere Tribünen ausweichen; wenn auch auf Süd und Nord Kontrollen stattfinden und man nach wie vor unerkannt bleiben möchte, kauft man sich Tageskarten. Dies soll keine Motivation sein, sondern lediglich die Sinnlosigkeit solcher Aktionen aufzeigen. Weiters ist in Frage zu stellen, ob es von Vereinsseite sehr klug ist, die Muskeln spielen zu lassen. Nicht, dass sich der Verein von Fans oder Fangruppen etwas diktieren lassen braucht, die Fanarbeit aber drastisch zu kappen, zeigt nicht als Schritt in eine positivere Zukunft - für keine der beiden Seiten. Auch zukünftige Umzüge, für’s Derby extra in den Prater, während selbst die Polizei sagt, dass das Hanappi ein sicheres Stadion ist, spiegeln die Sinnbefreitheit solcher Aktionen wieder.
Eingangs sei erwähnt, dass wir nach reichlichen Diskussionen ziemlich konform der Meinung sind, dass der Platzsturm an sich kein zu verurteilender Ausdruck des Protests ist. Über die Durchführung lässt sich allerdings streiten. Ein friedlicher Sitzstreik à la Gandhi oder Rapid-GAK wäre in dem Fall die wohl zielführendere Maßnahme gewesen, meinen wir. Sei’s drum. Was passiert ist, ist passiert. Die anschließende mediale Hetzjagd auf jene „Schwerverbrecher“ ist unserer Ansicht nach, eher in die Kategorie „Terror“ einzustufen als der Platzsturm an sich. Blauäugige Printmedien (eingeschlossen solcher, die sich sonst deutlich vom Boulevard distanzieren) bauschen die Ereignisse zu einem Eklat auf, der angeblich weltweit für Schlagzeilen sorgt. Die harte Wahrheit ist, in ganz Europa schert sich kein Mensch um den österreichischen Fußball. Und das hat rein sportliche Gründe.
Die mediale Treibjagd erinnert an eine Mischung aus Propaganda und verdammt miserablem Klatsch. Es gibt wohl kein Printmedium, dass dieser Tage keine Unwahrheiten über die Vorfälle verbreitet. Für Medien und Politik scheint das größte Problem des Landes gefunden zu sein: Wir. Wir alle. Multimedial wird munter drauf los gedroschen. Der Kurier meint etwa, dass sich ganz Melk vor den Rapid-Rowdys fürchtet, die zu erwarten sind, wenn das neue Stadion bei einem freundschaftlichen Testspiel eröffnet wird. Meldungen dieser Art kann man ja noch mit einem Schmunzeln entgegen nehmen, viel kritischer sollten wir diversen „Lösungsvorschläge“ für „das Problem“ begegnen. Eine völlig weltfremde Innenministerin zeichnet sich mit dem Vorschlag eines „Vermummungsverbot“ aus. Nicht nur, dass es ein solches grundsätzlich schon gibt, sollte der werten Dame klar gemacht werden, dass ich mich nicht nur mit Kapuzen und Hauben verdecken kann. Schließlich werden wir dann alle nur noch in Unterhose im Block West stehen. Und selbst dann könnten sich Mutige immer noch mit ihrer Boxer vermummen. Gruppo Kreidl schlägt deswegen eine Dödl-Datenbank vor, wo an Hand der Schwänze identifiziert werden kann.
Das Vorbild an dem man sich orientieren müsse sei England, so weitere offizielle Stimmen kluger Schädeln. Durch All-Seater-Stadien, hohe Preise, Alkoholverbot, harten Strafen und Überwachung, Überwachung, Überwachung, sind „die“ so weit, wie sie jetzt sind. Sie haben es geschafft scharenweise Familien aus den betuchteren Schichten in die Stadien zu locken. Menschen, die an nichts anderem interessiert sind als Konsument des Produkts „Fußball“ zu sein. Zahlende Kunden, die für ihr Geld unterhalten werden möchten.
Auch wenn es schwer fiele und weh täte einen Scheintot der Fankultur vorzutäuschen, würde manchem so vielleicht die Augen geöffnet werden. Überall, in ganz Österreich: Neunzig Minuten Stille. Totenstille. Nichts, außer Anwesenheit, so wie in Linz. Über mehrere Wochen hinweg. Kein Tollhaus Sankt Hanappi, keine Zehntausend in Hamburg. Es wäre eine Vorschau auf jenes Szenario, dass sich Befürworter des Modernen Fußballs wünschen.
Den Leuten soll präsentiert werden, was sie aus unserem Sport machen. Doch vorerst gilt es abzuwarten wie weit „sie“ wirklich gehen. Die ersten Alibisanktionen wurden vom Verein bereits präsentiert. Mit Ausweiskontrollen will man dem „Problem“ entgegensteuern. Abzuwarten in welchem Ausmaß und auf welchen Tribünen dies exekutiert wird, die Leute werden dementsprechend antizipieren. Ähnlich dem „Goodhart’s Law“ in der Wirtschaft. Die Anekdote erzählt, dass die englischen Kolonialherren in Indien ein Kobraproblem hatten und deswegen, jedem der eine tote Schlange brachte, eine Prämie erhalte. In der Folge wurden die Kobras aber nicht weniger, sondern mehr, weil die Leute die Schlangen züchteten. Die Bevölkerung hat sich den Gegebenheiten angepasst. Genauso wird das im Hanappi vor sich gehen. Wenn Ausweiskontrollen nur auf der West stattfinden, kann man immer noch auf andere Tribünen ausweichen; wenn auch auf Süd und Nord Kontrollen stattfinden und man nach wie vor unerkannt bleiben möchte, kauft man sich Tageskarten. Dies soll keine Motivation sein, sondern lediglich die Sinnlosigkeit solcher Aktionen aufzeigen. Weiters ist in Frage zu stellen, ob es von Vereinsseite sehr klug ist, die Muskeln spielen zu lassen. Nicht, dass sich der Verein von Fans oder Fangruppen etwas diktieren lassen braucht, die Fanarbeit aber drastisch zu kappen, zeigt nicht als Schritt in eine positivere Zukunft - für keine der beiden Seiten. Auch zukünftige Umzüge, für’s Derby extra in den Prater, während selbst die Polizei sagt, dass das Hanappi ein sicheres Stadion ist, spiegeln die Sinnbefreitheit solcher Aktionen wieder.
Samstag, 14. Mai 2011
Aus der Traum…
Seit Innsbruck ist viel passiert. Der Trainer-Effekt ist abgeklungen, die sportliche Formkurve zeigt, wie schon zuvor, bergab, der Titel nur noch Theorie, genauso wie der Europacup. Hat die Schwächeperiode gegen Magna schon begonnen, haben uns wenigstens noch drei strittige Tore den Hintern gerettet. Die Woche drauf waren die Defizite bemerkbarer. Vor allem in der Offensive gelingt kaum etwas. Wenn dann die Defensive auch noch eklatante Schwächen zeigt, ist Hopfen und Malz verloren. In der zweiten Hälfte spielten die Kommerzler - so weh wie’s mir tut - schnörkelloser und direkter auf’s Tor, während der Ball in unseren Reihen vierzehn Mal quer geschoben wird, bevor der steile Pass kommt (der aber eh nicht ankommt, weil entweder das Mittelfeld scherngelt oder die Stürmer einfach zu langsam sind).
Die letzte Hoffnung stellte schließlich der Cup dar. Auf Grund der inakzeptablen Anstoßzeit waren wir leider nicht vor Ort. Zu Beginn spielte Rapid, so wie schon gegen die Dosen: Scheiße. Ried mit etwa sechzig Prozent Ballbesitz tonangebend, aber nicht im Stande zählbares herauszuspielen. Irgendwie gelang es unserer Mannschaft dann doch, das Spielgeschehen zu unseren Gunsten zu drehen und gen Ende der ersten Hälfte, standen wir auch als besseres Team am Platz. Salihis Tor machte das auch beim Spielstand bemerkbar. Hofmanns Freistoß ans Aluminium, sowie die vergebene Chance von Saurer, hätten den Sack bereits zumachen können. Indes kam unsere Mannschaft völlig von der Rolle aus der Kabine. Die Rieder waren nun klar besser und erspielten sich Standardsituation um Standardsituation. Wohl muss man hier auch Barisic eine große Mitschuld geben; hätte die Mannschaft nicht so ängstlich agiert, wäre Ried niemals zu einem solchen Gros an Chancen gekommen. Dass beide Tore nach individuellen Fehlern fielen, dafür kann Barisic freilich nichts. Nach dem Rückstand ging natürlich nichts mehr nach vorne und auch das Aus im Cup war beschlossene Sache.
Das X in Kapfenberg spricht schon für sich. Genauso wie die Nullnummer, vorgestern, daheim(!!) gegen Mattersburg. Reintheoretisch ist die Chance nach wie vor intakt, wieso aber gerade in den letzten drei Spielen eine 180-Grad-Kehrtwende der Formkurve kommen sollte, weiß ich nicht. Insofern ist die Saison gelaufen. Und wir nun alle gespannt wie’s weitergehen wird. Schöttel und Jancker dürften so gut wie fix sein, Ladi Maier eventuell als neuer Tormanntrainer präsentiert werden. Und neue Spieler? Dafür wird nicht all zu viel Marie zur Verfügung stehen…
Die letzte Hoffnung stellte schließlich der Cup dar. Auf Grund der inakzeptablen Anstoßzeit waren wir leider nicht vor Ort. Zu Beginn spielte Rapid, so wie schon gegen die Dosen: Scheiße. Ried mit etwa sechzig Prozent Ballbesitz tonangebend, aber nicht im Stande zählbares herauszuspielen. Irgendwie gelang es unserer Mannschaft dann doch, das Spielgeschehen zu unseren Gunsten zu drehen und gen Ende der ersten Hälfte, standen wir auch als besseres Team am Platz. Salihis Tor machte das auch beim Spielstand bemerkbar. Hofmanns Freistoß ans Aluminium, sowie die vergebene Chance von Saurer, hätten den Sack bereits zumachen können. Indes kam unsere Mannschaft völlig von der Rolle aus der Kabine. Die Rieder waren nun klar besser und erspielten sich Standardsituation um Standardsituation. Wohl muss man hier auch Barisic eine große Mitschuld geben; hätte die Mannschaft nicht so ängstlich agiert, wäre Ried niemals zu einem solchen Gros an Chancen gekommen. Dass beide Tore nach individuellen Fehlern fielen, dafür kann Barisic freilich nichts. Nach dem Rückstand ging natürlich nichts mehr nach vorne und auch das Aus im Cup war beschlossene Sache.
Das X in Kapfenberg spricht schon für sich. Genauso wie die Nullnummer, vorgestern, daheim(!!) gegen Mattersburg. Reintheoretisch ist die Chance nach wie vor intakt, wieso aber gerade in den letzten drei Spielen eine 180-Grad-Kehrtwende der Formkurve kommen sollte, weiß ich nicht. Insofern ist die Saison gelaufen. Und wir nun alle gespannt wie’s weitergehen wird. Schöttel und Jancker dürften so gut wie fix sein, Ladi Maier eventuell als neuer Tormanntrainer präsentiert werden. Und neue Spieler? Dafür wird nicht all zu viel Marie zur Verfügung stehen…
Mittwoch, 20. April 2011
Wir haben wirklich den Längsten
Für die Partie in Graz waren alle von uns ziemlich motiviert. Unser Haufen blieb aber dann doch recht überschaubar. Obwohl von den sieben, acht Leuten, die regelmäßig fahren, eh fünf dabei waren. Vielleicht lag’s aber auch an der enormen Fußfreiheit die sich im Kreidlmobil plötzlich bot, reiste damit doch nur ein Quartett an. Zum Reden war also kaum jemand da. Also musste man sich mit anderen Dingen beschäftigen. Und weil die ersten Sonnenstrahlen doch etwas wärmten, feuchteten wir vorsichtshalber unsere Kehlen etwas an. Dass wir nicht als das „ultrà-ste“ Gruppo gelten, sollte bekannt sein. Die Lockerheit aber fängt doch etwas an zu frusten. Denn in Graz passierte es nicht das erste Mal, dass der Fetzen nicht hing. Was aber noch hinzu kommt, war die Tatsache, dass ein neuer Doppelhalter präsentiert werden sollte. Was aber auch nicht funktionierte.
Das Wochenende darauf, war dann Graz bei uns zu Gast. Und siehe da, die Kreidln, nicht Kreidls, haben doch etwas Disziplin. Immerhin schafften es drei von uns Plätze bis knapp vor Spielbeginn im Mittelblock zu reservieren. Grund hierfür war eben jener Doppelhalter, der uns von unserem, ja mittlerweile schon Stammplatzerl, zwischen Lions und Garde, in die Mitte zog. „Kämpfe Rapid, kämpfe!“ Leider blieb es beim Wunschgedanken, denn nach der Grazer Führung schien es als war unsere Elf komplett aus dem Takt.
Mit neuem Trainer und neuem Elan ging’s wochenends darauf nach Innsbruck. Unter der Woche tagte allerdings der Kriegsrat um bisserl eine Ordnung in unseren Laden zu bringen. Endergebnis war ein weiterer Doppelhalter, der in der Nacht von Freitag auf Samstag noch gemalt wurde. Knapp hundert fährt unser 9er-Bus, weswegen schon um acht Uhr morgens Abfahrt war, zehneinhalb Stunden vor Anpfiff, unserer notorischen Unpünktlichkeit wegen. Eine spontane Idee im Baumarkt sollte Stunden später für das Highlight sorgen. Eine breite und fette Fahrt war es, mit „Haribo“- und „I wa wo i wü“-Rhythmen; ganz gegen unserer Maxime „Immer zu spät“ kamen wir tatsächlich überpünktlich am Tivoli an, ein Novum! So gut wie das komplette Gruppo war vertreten und wegen der morgendlich Idee g'spannt wie a Gummiringerl. Der Sektor füllte sich schön langsam; bei uns wurde alles vorbereitet. Kurz vor Spielbeginn war’s dann so weit. Die etwa sieben Meter langen Stangen wurden in die Höhe gehievt und über dem Sektor prangte „Über alles Rapid!“. Wir haben wirklich den Längsten! Die Choreo am Spielanfang wurde dann nicht nur mit unserem Riesenteil ergänzt sondern auch noch mit dem anderen Material. Das Spiel nahm seinen gebührenden Lauf. Salihi hätte schon nach wenigen Minuten die Führung machen können, netzte aber wenig später per Elfer. Rapid war klar überlegen. Drazans Schuss bedeutete das 2:0 und ließ unser Mördergerät noch einmal stehen. Hofmanns drittes war Draufgabe. Eine gelungene Auswärtsfahrt wurde mit einem amüsanten Spaziergang zum Bus abgerundet. Irgendwann in der Nacht waren wir dann aber Gott sei Dank wieder in Wien. Einer zuckte dann komplett aus, weil ihm die Fahrerei am Orsch ging, der Rest schlief friedlich weiter - oder tschecherte noch bis fünf in der Früh.
Das Wochenende darauf, war dann Graz bei uns zu Gast. Und siehe da, die Kreidln, nicht Kreidls, haben doch etwas Disziplin. Immerhin schafften es drei von uns Plätze bis knapp vor Spielbeginn im Mittelblock zu reservieren. Grund hierfür war eben jener Doppelhalter, der uns von unserem, ja mittlerweile schon Stammplatzerl, zwischen Lions und Garde, in die Mitte zog. „Kämpfe Rapid, kämpfe!“ Leider blieb es beim Wunschgedanken, denn nach der Grazer Führung schien es als war unsere Elf komplett aus dem Takt.
Mit neuem Trainer und neuem Elan ging’s wochenends darauf nach Innsbruck. Unter der Woche tagte allerdings der Kriegsrat um bisserl eine Ordnung in unseren Laden zu bringen. Endergebnis war ein weiterer Doppelhalter, der in der Nacht von Freitag auf Samstag noch gemalt wurde. Knapp hundert fährt unser 9er-Bus, weswegen schon um acht Uhr morgens Abfahrt war, zehneinhalb Stunden vor Anpfiff, unserer notorischen Unpünktlichkeit wegen. Eine spontane Idee im Baumarkt sollte Stunden später für das Highlight sorgen. Eine breite und fette Fahrt war es, mit „Haribo“- und „I wa wo i wü“-Rhythmen; ganz gegen unserer Maxime „Immer zu spät“ kamen wir tatsächlich überpünktlich am Tivoli an, ein Novum! So gut wie das komplette Gruppo war vertreten und wegen der morgendlich Idee g'spannt wie a Gummiringerl. Der Sektor füllte sich schön langsam; bei uns wurde alles vorbereitet. Kurz vor Spielbeginn war’s dann so weit. Die etwa sieben Meter langen Stangen wurden in die Höhe gehievt und über dem Sektor prangte „Über alles Rapid!“. Wir haben wirklich den Längsten! Die Choreo am Spielanfang wurde dann nicht nur mit unserem Riesenteil ergänzt sondern auch noch mit dem anderen Material. Das Spiel nahm seinen gebührenden Lauf. Salihi hätte schon nach wenigen Minuten die Führung machen können, netzte aber wenig später per Elfer. Rapid war klar überlegen. Drazans Schuss bedeutete das 2:0 und ließ unser Mördergerät noch einmal stehen. Hofmanns drittes war Draufgabe. Eine gelungene Auswärtsfahrt wurde mit einem amüsanten Spaziergang zum Bus abgerundet. Irgendwann in der Nacht waren wir dann aber Gott sei Dank wieder in Wien. Einer zuckte dann komplett aus, weil ihm die Fahrerei am Orsch ging, der Rest schlief friedlich weiter - oder tschecherte noch bis fünf in der Früh.
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