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Donnerstag, 1. März 2012

Gelebte Erinnerungen

Der Boykott ist tot! Lang lebe der Boykott! Langsam geht’s wieder los, auch wenn Repression und Gegenwehr weitergehen. Nachdem in Neustadt nur ein kleines Gruppo war und schließlich auch noch das - auf den Rängen wie am Rasen – stimmungslose Derby vor uns lag, sollte Graz Auswärts wieder ‚eine Auswärtsfahrt, wie sie früher einmal war’ werden. Fetzen, Bengalen, Bier, Chants und unser Bus. Dem ging Tage vor der Fahrt jedoch der Kühler im A. Aus teilweise unerfindlichen Gründen waren am Samstag zum Treffpunkt dann auch nur vier statt deren acht Kreidln am Start. Andererseits wäre es im Polo aber auch etwas eng geworden. So sank das Niveau der Fahrt rapide auf ‚Ried auswärts’, nur mit weniger Zeit zum Tanken. Als unser guter Fetzen im linken oberen Gretzel des Blocks hing, war die Welt aber wieder in Ordnung. Wieso wir mit dem Auto drei Stunden nach Graz benötigten war uns jedoch schleierhaft (insofern ähnelte auch die Fahrzeit derer ins Innviertel)…Die in die Höhe gestreckten Doppelhalter und der Rauch von Bengalen, der dir langsam die Nase hoch wandert und dich glücklich betäubt, lässt einem nach Monaten Pause die Ganslhaut aufstellen. Und auch wenn es ‚nur’ ein Remis wurde, war die Reise nach Graz, zumindest für diese Saison, die bislang schönste!

Dienstag, 16. August 2011

Stumm.

Dass nicht abrupt zur Tagesordnung übergegangen werden kann, ist verständlich. Die vergangenen zwei Wochen haben aber dank anständiger Kommunikation das Ruder, das metaphorisch für den Prozess zur Rückkehr zum Normalzustand steht, in die richtige Richtung umgerissen. Intensive Gespräche zwischen Klub und der aktiven Fanszene haben medial angestachelte Missverständnisse und aus dem Affekt Gesagtes relativiert. Dass Rapid als Verein von dem zu eilig gesetzten und von der Presse hochstilisierten Zehn-Punkte-Katalog nicht schon einen Monat später wieder Abstand nehmen kann, ist leider trauriges Faktum, aber auch verständlich. Persönlich war von unserer Gruppe keiner bei den Gesprächen anwesend, dass sich zwischen den Parteien aber „jene offene Gesprächskultur wieder herstellen“ ließ, ist ein erster Fortschritt. Genauso, dass die supportenden Fangruppen beim Heimspiel gegen Ried ebenfalls darauf hinwiesen, dass lediglich sie die akustische und optische Unterstützung momentan verweigern, jeder der aber dennoch die Mannschaft anfeuern möchte, dies gerne tun kann und soll.

Dementsprechend „englisch“ gestalteten sich die ersten Begegnungen (mal mit Ausnahme des Geisterspiels). Und ehrlich gesagt hatte auch der Roar von Süd und Nord beim Ried-Spiel das gewisse Etwas. Unser Gruppo mit Ausnahme vom Cup-Spiel in Linz, dafür beim Heimspiel der Amas gegen Neustadt, stets anwesend. Und weil der Fetzen auch vergangene Saison nicht immer hing, gibt’s bis auf die ausbleibenden Sprechchöre, keine wirklichen Unterschiede verglichen mit der letzten Saison. Denn spielerisch war das bislang Gezeigte nicht Fisch, nicht Fleisch. Die Siege gegen die Niederösterreicher waren trotz der Überlegenheit etwas glücklich, die Nullnummer im ersten richtigen Heimspiel gegen Ried offenbarte die fehlende Durchschlagskraft im Angriff erstmals. Und auch dieses Wochenende in Graz gelang es unserer Elf keinen Treffer zu markieren. Dass bei Nuhiu seit dem Winter eine konstante Weiterentwicklung zu betrachten ist, ist nicht von der Hand zu weisen. Als Solospitze hapert es beim nicht ganz so „Langen“ aber noch ein bisserl am Kopfballspiel. Das 4:1 gegen Valencia war nett an zu sehen, aber wie man bereits sieht, nicht über zu bewerten. Mit acht bis zehn Punkten aus den vergangenen und den kommenden zwei Partien hätte man einen soliden Saisonstart hingelegt. Weil’s gegen Ried und Sturm aber nur einer wurden, sollte im Prater und in Salzburg überzeugender agiert werden. Das gelingt aber nur mit Toren. Dann klappt’s auch mit dem Support.

Samstag, 14. Mai 2011

Aus der Traum…

Seit Innsbruck ist viel passiert. Der Trainer-Effekt ist abgeklungen, die sportliche Formkurve zeigt, wie schon zuvor, bergab, der Titel nur noch Theorie, genauso wie der Europacup. Hat die Schwächeperiode gegen Magna schon begonnen, haben uns wenigstens noch drei strittige Tore den Hintern gerettet. Die Woche drauf waren die Defizite bemerkbarer. Vor allem in der Offensive gelingt kaum etwas. Wenn dann die Defensive auch noch eklatante Schwächen zeigt, ist Hopfen und Malz verloren. In der zweiten Hälfte spielten die Kommerzler - so weh wie’s mir tut - schnörkelloser und direkter auf’s Tor, während der Ball in unseren Reihen vierzehn Mal quer geschoben wird, bevor der steile Pass kommt (der aber eh nicht ankommt, weil entweder das Mittelfeld scherngelt oder die Stürmer einfach zu langsam sind).

Die letzte Hoffnung stellte schließlich der Cup dar. Auf Grund der inakzeptablen Anstoßzeit waren wir leider nicht vor Ort. Zu Beginn spielte Rapid, so wie schon gegen die Dosen: Scheiße. Ried mit etwa sechzig Prozent Ballbesitz tonangebend, aber nicht im Stande zählbares herauszuspielen. Irgendwie gelang es unserer Mannschaft dann doch, das Spielgeschehen zu unseren Gunsten zu drehen und gen Ende der ersten Hälfte, standen wir auch als besseres Team am Platz. Salihis Tor machte das auch beim Spielstand bemerkbar. Hofmanns Freistoß ans Aluminium, sowie die vergebene Chance von Saurer, hätten den Sack bereits zumachen können. Indes kam unsere Mannschaft völlig von der Rolle aus der Kabine. Die Rieder waren nun klar besser und erspielten sich Standardsituation um Standardsituation. Wohl muss man hier auch Barisic eine große Mitschuld geben; hätte die Mannschaft nicht so ängstlich agiert, wäre Ried niemals zu einem solchen Gros an Chancen gekommen. Dass beide Tore nach individuellen Fehlern fielen, dafür kann Barisic freilich nichts. Nach dem Rückstand ging natürlich nichts mehr nach vorne und auch das Aus im Cup war beschlossene Sache.

Das X in Kapfenberg spricht schon für sich. Genauso wie die Nullnummer, vorgestern, daheim(!!) gegen Mattersburg. Reintheoretisch ist die Chance nach wie vor intakt, wieso aber gerade in den letzten drei Spielen eine 180-Grad-Kehrtwende der Formkurve kommen sollte, weiß ich nicht. Insofern ist die Saison gelaufen. Und wir nun alle gespannt wie’s weitergehen wird. Schöttel und Jancker dürften so gut wie fix sein, Ladi Maier eventuell als neuer Tormanntrainer präsentiert werden. Und neue Spieler? Dafür wird nicht all zu viel Marie zur Verfügung stehen…

Mittwoch, 20. April 2011

Wir haben wirklich den Längsten

Für die Partie in Graz waren alle von uns ziemlich motiviert. Unser Haufen blieb aber dann doch recht überschaubar. Obwohl von den sieben, acht Leuten, die regelmäßig fahren, eh fünf dabei waren. Vielleicht lag’s aber auch an der enormen Fußfreiheit die sich im Kreidlmobil plötzlich bot, reiste damit doch nur ein Quartett an. Zum Reden war also kaum jemand da. Also musste man sich mit anderen Dingen beschäftigen. Und weil die ersten Sonnenstrahlen doch etwas wärmten, feuchteten wir vorsichtshalber unsere Kehlen etwas an. Dass wir nicht als das „ultrà-ste“ Gruppo gelten, sollte bekannt sein. Die Lockerheit aber fängt doch etwas an zu frusten. Denn in Graz passierte es nicht das erste Mal, dass der Fetzen nicht hing. Was aber noch hinzu kommt, war die Tatsache, dass ein neuer Doppelhalter präsentiert werden sollte. Was aber auch nicht funktionierte.

Das Wochenende darauf, war dann Graz bei uns zu Gast. Und siehe da, die Kreidln, nicht Kreidls, haben doch etwas Disziplin. Immerhin schafften es drei von uns Plätze bis knapp vor Spielbeginn im Mittelblock zu reservieren. Grund hierfür war eben jener Doppelhalter, der uns von unserem, ja mittlerweile schon Stammplatzerl, zwischen Lions und Garde, in die Mitte zog. „Kämpfe Rapid, kämpfe!“ Leider blieb es beim Wunschgedanken, denn nach der Grazer Führung schien es als war unsere Elf komplett aus dem Takt.

Mit neuem Trainer und neuem Elan ging’s wochenends darauf nach Innsbruck. Unter der Woche tagte allerdings der Kriegsrat um bisserl eine Ordnung in unseren Laden zu bringen. Endergebnis war ein weiterer Doppelhalter, der in der Nacht von Freitag auf Samstag noch gemalt wurde. Knapp hundert fährt unser 9er-Bus, weswegen schon um acht Uhr morgens Abfahrt war, zehneinhalb Stunden vor Anpfiff, unserer notorischen Unpünktlichkeit wegen. Eine spontane Idee im Baumarkt sollte Stunden später für das Highlight sorgen. Eine breite und fette Fahrt war es, mit „Haribo“- und „I wa wo i wü“-Rhythmen; ganz gegen unserer Maxime „Immer zu spät“ kamen wir tatsächlich überpünktlich am Tivoli an, ein Novum! So gut wie das komplette Gruppo war vertreten und wegen der morgendlich Idee g'spannt wie a Gummiringerl. Der Sektor füllte sich schön langsam; bei uns wurde alles vorbereitet. Kurz vor Spielbeginn war’s dann so weit. Die etwa sieben Meter langen Stangen wurden in die Höhe gehievt und über dem Sektor prangte „Über alles Rapid!“. Wir haben wirklich den Längsten! Die Choreo am Spielanfang wurde dann nicht nur mit unserem Riesenteil ergänzt sondern auch noch mit dem anderen Material. Das Spiel nahm seinen gebührenden Lauf. Salihi hätte schon nach wenigen Minuten die Führung machen können, netzte aber wenig später per Elfer. Rapid war klar überlegen. Drazans Schuss bedeutete das 2:0 und ließ unser Mördergerät noch einmal stehen. Hofmanns drittes war Draufgabe. Eine gelungene Auswärtsfahrt wurde mit einem amüsanten Spaziergang zum Bus abgerundet. Irgendwann in der Nacht waren wir dann aber Gott sei Dank wieder in Wien. Einer zuckte dann komplett aus, weil ihm die Fahrerei am Orsch ging, der Rest schlief friedlich weiter - oder tschecherte noch bis fünf in der Früh.

Freitag, 18. März 2011

Più ultrà

Kurz nach der Pause gelang Salihi mit seinem zweiten Tor das 2:0. Von da an rückte das Derby in einer Woche in den Fokus. Jeder kennt dieses Gefühl, wenn man förmlich auf ein Match brennt, der Kalender aber verrät, dass es erst Montag ist. Egal ob man die kommenden Tage irgendwo in einer Schule paukt, schwachsinnige Mails in einem Büro tippt oder am Bau Zementsackerln schupft, die Woche mag einfach nicht vergehen. Deswegen traf sich ein Teil von uns Mitte der Woche zum Malen. Endprodukt war ein genialer Doppelhalter – der am Verteilerkreis zwar dabei war, der breiten Öffentlichkeit aber leider noch nicht präsentiert wurde.

Dem Mini-Chorteo wurde unsererseits dann wohl etwas zu viel Bedeutung entgegengebracht, sodass unsere Odyssee von Floridsdorf via Kagran via Hütteldorf via Westbahnhof am Reumannplatz doch einen nichtenden wollenden Charakter erhielt. Wenigstens sorgte ein spontanes Dosenbier während einer der zahlreichen Bimfahrten für Erfrischung. Eine Stunde vor Anpfiff passierten wir schließlich die Drehkreuzer und enterten die Stehplätze. Der Fetzen hängte und die Doppelhalter fertig präpariert. Nichtsahnend sollte die Situation vor der Tribüne aber eskalieren. Was genau geschah, bekamen wir nicht detailgetreu mit, Fakt war, dass dutzende gepanzerte Exekutivkräfte provozierend vor der Tribüne aufmaschiert waren. Dass die Einsatzphilosophie an Hand weniger miterlebter Szenen aber wohl nicht normgerecht praktiziert wurde, war uns schnell klar. Im Dialog wurde höchstens ein „Wos wüst?!“ entgegnet und deeskalierend wirkte der Tross von uniformierten Turtles auch nicht gerade. Lediglich bei der Durchsetzung waren die Bullen tatkräftig. Bis zu fünfzehn Verhaftungen sollen es gewesen sein, Zeitungsberichte tags darauf erwähnten lediglich eine einzige.

Insofern war der Protest gegen das harsche Vorgehen der Exekutive logische Konsequenz und die Fetzen verschwanden wieder vom Zaun – lediglich ein ACAB-Banner blieb. Die Wut stachelte die Stimmung förmlich auf, vergleichbar mit Anderlecht auswärts 2007. Auf Doppelhalter oder Fahnen wurde verzichtet. Die Kurve brannte! Nicht nur akustisch. Zig Bengalen wurden angerissen, mal da, mal dort. Chaos pur! Das war ultrà! Unsere Vertreter auf dem Platz taten ihr übriges, in Durchgang Eins noch zahm wie Schmusekatzen, in Durchgang Zwei aber bissig wie wilde Löwen. Die Schlachtgesänge trieben unsere Mannschaft weiter voran, ihr Pressing motivierte die Kurve noch inbrünstiger anzufeuern. Ein Teufelskreis in die richtige Richtung! Und dann hatte das Chaos seinen Höhepunkt erreicht. Salihi staubt zum 1:0 ab, die Kurve explodiert! Wie in italienischen Kurven sprinten die ersten fünf Reihen entsinnt Richtung Zaun und wollen den Torschützen förmlich zerfleischen. Aggressionen, Freude, Erleichterung. Eine geordnete Gefühlswelt hat man in diesem Moment nicht. Italienischer geht’s nicht mehr! Più ultrà è impossibile!

Die kommenden Reaktionen sind dann individuell. Viele singen lauter und intensiver. Die Gesänge erreichen ein ohrenbetäubendes Niveau. Manche, aber werden ruhiger. Ich zähle zu zweiteren. Die späte Führung und die wenig verbleibende Spielzeit entwickelt in mir stets ein Gefühl der Bedrückung. Als Spieler wäre das der komplett falsche Weg. Als Fan kann ich mir es aber Gott sei Dank erlauben. Und dann erwische ich mich dabei, dass ich gar nicht mehr in der Lage bin, den aktuellen Chant weiter zu singen, obwohl der Gegner gerade in der Innenverteidigung querspielt. Nur unser fettes Zyro reißt mich kurz aus dieser Lethargie. Plötzlich entfacht mitten im Block ein gelber Lichtball und weißer Rauch. Mehr als bei einem normalen Bengalen. Viel mehr! Und so schnell wie das Ding da war, ist es auch schon wieder weg. Die Lücke schließt sich wieder, der Gesang geht weiter. So gut wie’s halt geht. Und als dann endlich, der erlösende Abpfiff kommt, fühle ich mich erschöpft und ausgelaugt, aber glücklich.

Dienstag, 15. März 2011

Pao! Christina! Anita! und Bettina!

Oder Mattersburg auswärts. Wir alle, die einen viel zu langen Tag in der Uni, bei der Arbeit oder beim Beerenpflücken verbrachten, waren voller Vorfreude für diesen Dienstagabend. Drei Punkte als Pflichterfüllung, so lautete der Auftrag. Traditionen soll man hegen und pflegen, meinen wir. Getreu dieser Gesinnung, startete der Kreidlbus zum wiederholten Mal unpünktlich wie die Uhr. Ebenso kultig wie traditionell ist unser Parkplatz im Burgenland. In altbewährter Manier ging es rauf auf den Randstein und direkt vorm Eingang der Lila Beute-Filiale wurde gehalten. Hauptsache irgendwo stehen, meinte der Fahrer. Das Spiel war eine einzige Enttäuschung. Boden hin, Boden her, das war zum Genieren. Der Anfang vom Ende war schon die Aufstellung. Nuhiu, der sich logischerweise als großer Spieler auf dem eisglatten Boden schwerer tut als seine Untertanen, war dermaßen abgemeldet, dass ein eingepflanzter Baum a hilfreichere Anspielstation gwesen wär. Hofmann, der noch der Einzige war, der ein bisschen Linie in unser Spiel gebracht hatte, wurde ausgewechselt. Unverständlich! Im Endeffekt warens elf Hilflose, die auf der Bauernwiese herumirrten. Die Kurve quittierte dies entsprechend. Da es bei der Heimfahrt keinen Grund für Lobeshymnen gab, wurden eben Pao! Christina! Anita! und Bettina! besungen. Was bleibt ist die Erkenntnis: Es muss sich was ändern.

Der in der Woche darauf folgende Pflichtsieg gegen Ried ändert nichts an dem immer größer werdenden Unmut der Szene. Doch hier sagen wir nicht zu allem ja und Amen was uns vorgehalten wird. Zu wenige unterscheiden unserer Meinung nach zwischen persönlichen Aversionen gegen die Privatperson Pacult bzw. dessen Vergangenheit und seinen fachlichen Qualitäten als Trainer. Mission 32, wast no? Deswegen sind wir Pacult neutral. Lossts erm arbeitn. Hörtnagels Arbeitsweise ist angreifbarer und auch Teilen von uns ein Dorn im Auge.

Wochenends drauf war Derby. Hoffen, beten, brennen, bastln (Linz-Voodoo Puppn). Ois fia Rapid! Dazu aber zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Montag, 21. Februar 2011

Original Pirate Material

Wie Siebenschläfer verbrachten wir den Winter. Schon den Trip nach Istanbul machte niemand von uns mit, genauso wenig wie die erste Auswärtsfahrt des Frühjahrs nach Neustadt. Ein kollektiver Totalausfall sozusagen, notgedrungen. Denn die Kreidln waren tapfer in der Weltgeschichte unterwegs. Stuttgart, Milano, Amsterdam, Schladming. Bis auf die zwei Testmatchbesuche waren wir siebzig Tage ohne Rapid. Schön als es am einundsiebzigsten Tag dann endlich wieder so weit war in gewohnte Schemata einzutauchen. Zu dritt fuhren wir von Wien aus weg, mit gehöriger Verspätung, dem üblichen Verdächtigen zu verdanken. Aber sei’s drum, immerhin war’s auch sein Auto. Und während die anderen zwei sich genüsslich das ein oder andere Bierchen genehmigten, blieb er halt trocken. Respekt auch an unsere Ein-Mann-Sektion in Suttgart, ganz alleine den langen Trip anzutreten! Trotz der dreiviertelstündigen Verspätung, waren wir überpünktlich am Stadion angelangt. Ein Zeitfenster war aber eingeplant, da - auch schon wie gewohnt - noch Eintrittskarten organisiert werden mussten. Mit etwas externer Unterstützung war dann aber binnen weniger Minuten alles gechecked.

Unterm Strich bringt der Punkt Rapid nicht wirklich weiter. Man muss aber auch festhalten, dass der gewaltige Rückstand zur Spitze sicher nicht in den wichtigen Partien gegen die Dosen oder in den Derbies aufgerissen wurde. Verwunderlich, dass bei der Rückfahrt der Sport kaum auf der Diskussionsliste stand. Eher fokussierte sich der Gesprächsstoff auf die UK-Band The Streets. Oi!

Samstag, 4. Dezember 2010

Es geht wieder aufwärts...ein bisserl zumindest

In der Meisterschaft seit gut zwei Monaten ungeschlagen, war dennoch ein bissl Feuer am Dach. Denn von sieben ungeschlagenen Spielen endeten fünf nur unentschieden. Und dass obwohl in den ersten acht Partien kein einziges als Remis abgepfiffen wurde. Durch diese ganzen Punkteteilungen verlor Rapid den Anschluss an die Tabellenführung und konnte ein Abrutschen auf den siebenten Rang nicht verhindern. Und deswegen auch die Kritik der Fans. Mit dem X in Salzburg und dem Heimsieg gegen Sturm zeigte die Formkurve aber wieder etwas nach oben. In Mattersburg erlaubte sich unsere Elf wieder einen kleinen Durchhänger, im Heimspiel gegen den LASK aber ein furioses Feuerwerk, angeführt von unserer Nummer Neun, die gleich viermal netzte. Und auch Käfigkicker Gartler trumpfte ein weiteres Mal auf, konnte sich ebenfalls in die Schützenliste eintragen und legte zwei Salihi-Treffer vor. Rapid klettert die Tabelle hoch.

Dass drei Tore gegen die Linzer in der Rapid-Viertelstunde erzielt wurden, zeigt einmal mehr vom Rapid-Mythos. Und jetzt kam das Derby! Tags zuvor pilgerten tausend Anhänger mit der Message „Ein Derbysieg kann alles wieder gut machen. Gemma Burschen!“ zum Abschlusstraining nach Hütteldorf. Nicht ganz so viele als sonst, dürften es dann tags danach beim Chorteo gewesen sein, der uns vom wunderschönen Stephansplatz in den wohl hässlichsten Teil unserer Stadt führte. Wind und Wetter wurde dennoch getrotzt. Es knisterte in der Luft. Akustisch, choreographiemäßig und mit reichlich Pyro zeigte man den Unaussprechlichen wer Herr im Hause Wien ist. Der Adrenalinspiegel steigt von Minute zu Minute. Das Stück konnte beginnen. Im ersten, zeitweise lustlosen, Akt waren die Unnötigen zwar überlegen, bis zur Pause sollte allerdings nichts Erwähnenswertes geschehen. Mit immer stärker werdendem Schneetreiben im zweiten Akt, gelang den grün-weißen Gladiatoren aber das Heft an sich zu reißen. Den Unaussprechlichen wurde wahrlich nichts geschenkt, Salihi mit der Führung! Die Clowns wussten nicht wie ihnen geschieht, waren völlig von der Rolle. Liendl verlor in der Folge seinen Nerven und attackiert den völlig unschuldigen und nichts ahnenden Dober tätlich - Platzverweis! Der Niederschlag wird immer heftiger, von den Rängen folgt ein Wirbeldonner dem anderen, Favoriten versinkt im Chaos, Attacke um Attacke knallt auf die Widersacher ein, Weltuntergang, die Rapid ist da! Und wie in einem Schauspiel von Shakespeare lichtet sich gen Ende des Spektakels der Himmel, das Schneetreiben setzt aus und die Jünger und ihre Propheten tanzen freudig in die Nacht hinein, weil sie das Böse besiegt haben!

In Pudelmütze und Daunenjacke gepackt, ging es donnerstags noch ein letztes Mal für das Jahr 2010 in den Prater. Wie schon letzte Saison gegen Celtic, bescherte uns Frau Holle auch dieses Jahr gegen den FC Porto einen winterlichen Abschluss in der Europa League. Die Fahnen waren bereits auf Halbmast, eine realistische Chance auf den Aufstieg minimal. Der Wintereinbruch sorgte aber noch einmal für positive Energien, die heuer noch ungeschlagenen Portugiesen haben doch bestimmt noch nicht oft auf eisigem Geläuf gekickt, und man munkelte sogar, dass der ein oder andere erstmals in seinem Leben Schnee auf seiner Haut spürte. Was vielleicht auch das Führungstor durch Trimmel bewies. Die knapp fünfzigtausend feuerten die Mannschaft noch einmal an, und der zwölfte Mann mit einer - eh schon gewohnten - wunderschönen Choreographie - in der zwölften Minute. Leider musste man dann miterleben, dass durchaus auch norwegische Verteidiger mit eingeschneitem Rasen Probleme haben können. Und auch österreichische Torhüter. Und weil Besiktas in Sofia eh gewonnen hatte, war eh alles für die Wetti Tant’. Im Nachhinein bleibt in den Finanzen bestimmt ein saftiges Plus, ob wir aber auch im Hanappi alle drei Spiele gegen durchaus schlagbare Gegner verloren hätten, dürfte wohl wieder eine deftige Debatte auslösen…

Montag, 15. November 2010

Fünf Watschen für Graz und mitternächtliche Eskalation

Mal werden sie lauter, dann wieder leiser, die „Pacult raus!“-Rufe. Nach dem Remis in Salzburg schien es als ob über Hütteldorf wieder die Sonne aufgehen sollte. Der Start in einen äußerst angenehmen November - nicht nur klimatisch. Sturm Graz, der einzige, der vier „großen“ Vereine, der momentan tatsächlich um die Tabellenführung spielt, wurde daheim souverän mit 3:1 besiegt, obwohl die Anfangsminuten ein noch furioseres Match erwarten ließen. Die Grazer waren mit so vielen Mann wie noch nie nach Wien gekommen; ein Grund warum es auch fantechnisch eine überdurchschnittliche Bundesliga-Partie wurde. Und nach dem Schlusspfiff gab es noch eine nette Begegnung mit ein paar Gästefans. Sonst war es aber ein weiteres unaufregendes Heimspiel.

Genauso auch mittwochs darauf als Zweitligaschlusslicht Hartberg zu Gast in Hütteldorf war; das erste Heimspiel im Cup seit dem Halbfinalsieg gegen den GAK in der Saison 2004/05. Die Stimmung war nicht ganz so gut wie gegen Sturm, aber eh kloa. Der Hartberger Anhang für einen Mittwochabend numerisch überraschend stark und auch mit der einen oder anderen Fackel auffallend. Ungewohnt auffallend auch wieder unsere Stürmer. Nachdem der Gartler schon gegen Sturm doppelt genetzt hatte, sorgten diesmal Salihi(2) und Nuhiu für den lockeren 3:0-Endstand. Wobei es zur Pause noch torlos stand. Die Leistung unserer Vertreter auf dem Platz wieder mit einem Abwärtstrend.

Welcher in Mattersburg prolongiert wurde. Da waren wir mit sechs Mann anwesend, wieder in unserem Old-Style-Bus. Und mit einer Spontanaktion, welche erst nächtens zuvor verwirklicht wurde. Der „Über alles Rapid“-Doppelhalter wurde mit fünf Meter hohen Plastikröhrln in den Nachthimmel gehalten, und selbst manchem Wiffzack blieb die Doppeldeutigkeit zwischen Spruch und Doppelhalterhöhe nicht verborgen. Zudem kam, dass die drei Kreidln, die ihn erstmals präsentierten, mit gesamtem Material unter der Stahlrohrkonstruktion vom benachbarten Sektor in den Gästesektor kletterten; eh kloa, weil sie in Gruppo-Kreidl-Manier mal wieder keine Karten besorgt hatten. Zur Rapidviertelstunde wurde dann noch etwas Pyro angerissen und Nuhius Ausgleich in allerletzter Minute nicht mehr richtig bejubelt. Nach Abpfiff waren sie wieder da, Rufe und Transpis gegen den Trainer. Gruppo Kreidls Abend begann aber erst. Zurück in Wien ging’s prompt ins Casino. Der erhoffte Gewinn schien kurzfristig Realität zu werden. Die Spielsucht überkam den ein oder anderen aber dann doch zu sehr. Im Endeffekt hatten wir gut fünfhundert Eier verspielt, was uns aber nicht daran hinderte noch ein bisserl die Sau raus zu lassen. Offiziell im Floridita bei irgendeiner unnötigen Geburtstagsfeier, die meiste Zeit aber lehnend beim Würstlstandl eine Straße weiter. Dabei kam uns ein Sturm-Schal in die Hände, der einem mutigen Grazer fair…vom Hals gefallen ist. Irgendwann, so nach etwa zehn bis fünfzehn Krügerln, waren wir dann wieder in Transdanubien und so manches Kreidl legte sich um fünf Uhr morgens unfreiwillig auf die Straße.

Montag, 1. November 2010

‚Wie a serbischer Füm’

Die Achterbahnfahrt, sportlich wie auch fantechnisch geht für uns weiter. Nachdem wir beim ersten Remis der Saison in Kapfenberg gerade einmal drei Leute waren (und der Fetzen nicht hängte) und spieltags darauf auch gegen die Innsbrucker daheim nur zu einem Punkt kamen, gipfelte unsere Negativserie zumindest fantechnisch in der Europacuppartie auswärts gegen ZSKA Sofia, wo kein einziges Kreidl mit war. Da schauten wir lieber zuhause in geselliger Runde frei nach dem Motto „Soda und Pizza statt Sofia und Kamenitza“. Sportlich ging’s wenigstens ein bisserl bergauf - 2:0 in der Fremde gewonnen, der erste Auswärtssieg auf internationalem Parkett seit dem Jahre Schnee.

Zurück in der Liga, aber wieder das gewohnte Bild, nur drei Kreidln harrten im Nieselwetter von Wiener Neustadt aus und beobachteten ein fades 1:1. VoH schied bereits in der Anfangsviertelstunde verletzt aus und wird uns noch die nächsten Wochen wegen eines Muskelfasserrisses fehlen. Dennoch erzielte Katzer mit seinem rechten Standbein wunderschön per Volley die Führung. Der Ausgleich kam aber prompt per Elfmeter. Und wäre das Elferfoul für den jungen Kayhan nicht schon genug gewesen, sah der kurz nach Seitenwechsel auch noch gelb-rot. In der Folge beschränkte sich das Rapid-Spiel auf die Defensive um den Punkt zu halten; erst nachdem Wolf Minuten vor dem Schlusspfiff durch seinen Ausschluss wieder auf Zehn-gegen-Zehn stellte, machte Rapid wieder etwas Druck, der aber zu spät kam.

Außerhalb des Stadions wurden die letzten zwei Wochen mit einem durchaus erfolgreichen Casinobesuch abgerundet. Wobei wir schon Tage zuvor in der Kärntner Straße standen, wegen unserer Mörderpanier aber auf Roulette und Black Jack verzichteten.

Mehr als der ein oder andere Verlust im Casino, schmerzt der Verlust des Capitanos, der zumindest auch noch Donnerstag gegen ZSKA fehlen wird. Und so war gestern, Sonntag, ohne VoH, Kayhan und SHFG der große Tag, das Spiel gegen die Dosen. Die Kreidln, hochmotiviert, und in einer Anzahl wie schon lange nicht mehr, anwesend. Ursprünglich war der Kreidlbus mit acht Mann voll, wegen gesundheitlicher Probleme bzw. familiärer Querelen mussten kurzfristig jedoch zwei Mann absagen. Aber auch zu sechst, von denen in Kreidl-Manier gerade mal zwei eine Karte hatten, entwickelte sich eine geschmeidige Fahrt; der Kreidlbus in Höchstform! So waren wir gegen allen Erwartungen bereits zwei Stunden vor Anpfiff vor dem Stadion. Bevor wir aber dem „Red-Bull-Dorf“ unseren traditionellen Besuch abstatteten, interessierte uns der offene Eingang zu den Räumlichkeiten der Dosen-Marketingabteilung mehr. Und so standen wir plötzlich in den Katakomben des Stadions, unter einer der Längstribünen. Dass uns plötzlich die Blase drückte und sich der Urin seinen Weg ins Freie genau in jenem Moment bahnte, glich einem Geschenk Gottes. Im Sektor minimierte sich unsere Zahl auf nur mehr zwei. Der Rest, eben die Kartenlosen, mussten sich mit Plätzen im zweiten Rang begnügen. Im Nachhinein geht noch ein Dankeschön an den Seba von den Ultras Rapid, der uns, unerfahrenen Fohlen, bei der Einlasskontrolle mit dem Fetzen unterstützte! Im Block wurde unser Stoff am linken Rand positioniert, wo dann auch gleich unser Duo stehen blieb. Eine nette Choreo von den Tornados leitete die Partie schließlich ein (besonders viel Freude bereiteten die Plastikfähnchen); nachdem die Kreatur mit der Nummer Sieben aber zum 1:0 für die Dosen einschoss, befürchtete, zumindest der Autor, gar eine Blamage im Anrollen. Gesanglich war unsere Leistung nicht schlecht, wobei sich die Leistung der Defensive Halloween anpasste: Erschreckend. In Fortdauer des Spiels war Rapid aber tonangebend und drückte auf den Ausgleich. Nach dem Seitenwechsel noch mehr. Dann folgte Trimmels Schwalbe und ein herber Aufschrei. Leider aber kein Elfmeter. Schließlich war es Heikkinen per Kopf, der den Ausgleich doch noch herstellte und einen verdienten Punkt ins Trockene rettete. Nach Schlusspfiff chillten wir noch etwas am Parkplatz, die einen liegend am Busdach, die anderen einen alten Piefken stellend, der mit seinem Mercedes meinte, er müsse nicht im Stau stehen und ehrlich gesagt so wirkte als hätte er doch schon das eine oder andere Achterl intus. Den restlichen Heimweg in die wunderschönste Stadt der Welt vertrieben wir uns mit einem Welche-Rapid-Spieler-hast-du-aktiv-gesehen-aufzählen, wobei so Größen wie Gerhard Poschner, Saoud Fath, Günter Schießwald oder Angelo Vier für einiges Gelächter sorgten.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Die Schnöseln der Woche

Auch ohne Rapid waren’s zwei interessante Wochen. Schnösel Nummer Eins ist Heinz-Christian aus Wien, der als klarer Wahlgewinner hervortrat, soll’s einem nun gefallen oder auch nicht. Schnösel Nummer Zwo ist der Dietmar aus Tirol. Seine grandiosen Taktikspielereien bescheren dem Nationalteam einen sympathischen Erfolgslauf, der schon seit Jahren nicht mehr da war. Das Team erobert die Herzen im Sturm. Egal ob dem Didi seine Einfälle beim Radeln oder beim zärtlichen Liebesaustausch mit seiner Gretl kommen, halten tut sich daran eh nicht gern jemand. Weshalb Schnösel Nummer Drei aus dem Heimatbezirk der meisten Kreidln kommt: Marko Arnautovic. Entgegen der Vorgabe von Didi zog es den Floridsdorfer Astronauten im Spiel gegen die Aseris immer wieder auf den linken Flügel, wo er wie ein Irrer zauberte. Das 4:4 in Brüssel, wenige Tage später, geht hingegen ganz auf die Kappe von Schnösel Nummer Vier, Paul Scharner. Das in so einer Situation die Pferde mit dem Routinier durchgehen, darf nicht passieren. Ansonsten war die Leistung, bis auf die der Defensive (mal mit Ausnahme vom Macho-Man), top.

Gestern gab’s dann sogar zwei Schnösel auf einmal. Der erste, mit Namen Berhnard Brugger und Profession Schiedsrichter, zerpfiff den Schlager Rapid-Innsbruck nach allen Regeln der Kunst. So flog der Kavlak Veli schon nach neunundzwanzig Minuten nach Schwalbe vom Platz. Die Tiroler mit der Führung, Rapid mit dem Ausgleich. Rapid bemüht, aber nicht zwingend überlegend. Da war in die paar Bier im Hirschenschädl zuvor nicht gerade schlecht investiert. Um dann bei der Heimfahrt Bekanntschaft mit dieser Tage Schnösel Nummer sechs zu machen, einem langhaarigen Schlecki aus den Hügeln von Wien-Penzing. Nachdem wir an dem werten Herren vorbeigezogen waren, fühlte sich Prinz Schnösel etwas provoziert und versuchte tatsächlich unserem fahrenden Auto hinterher zu sprinten. Wir waren fair und gaben dem Langhaarigen noch eine Chance, wobei der nicht mehr ganz nüchtern Wirkende im zweiten Versuch gegen unser vorbeifahrendes Gefährt treten wollte, aber lächerlich ins Leere fuhr. Ein paar Meter weiter machten wir einen kurzen Halt um dem Sprinter erneut eine Chance zu geben. Und tatsächlich rannte der Entsinnte dem Auto noch einmal hinterher. Mit einem kranken Clockwork-Orange-Brüllen verschwand unsere Kiste dann in der Dunkelheit und so manche These wurde aufgestellt, dass der Typ seine Gretl, die die Prozedur am Straßenrand verfolgte, an jenem Abend wohl nicht mehr hat vernaschen dürfen.

Montag, 4. Oktober 2010

In die Nieren

So in etwa fühlt es sich die letzten Spiele an, unserer Rapid zu zusehen. Donnerstag, in der Europa League das erste Heimspiel, im Prater gegen Besiktas. Die Türken um Quaresma und Guti doch irgendwie leichter Favorit, Rapid hielt aber tapfer dagegen. Sonnleitner rechts außen sollte Quaresma abmontieren, eine Taktik, die anfangs gut funktionierte, bis zur Verletzung des Portugiesen. Dann hätte man wohl umstellen müssen, der flinke Holosko, nämlich eher ein Mittelstürmer, hatte in der Folge mit dem turnbefreiten Patocka im Zentrum leichtes Spiel. Dennoch ging Rapid in Führung, nach einem schönen Tor von Kavlak. Besiktas zuvor aber mit zwei Treffern ans Aluminium nach Punkten in Führung. Die Stimmung war nicht schlecht, kam aber nie wirklich an das Niveau der letzten Saison ran. Unser Fetzen hängte diesmal ganz rechts außen, auf dem ersten Blick ziemlich verlassen von den anderen. Was aber einen einfachen Grund hatte: Weil wegen der Choreo schlichtweg das Geländer mit Tixo zugepickt war. Nach der Führung antworteten die Türken rasch, natürlich war es der schnelle Holosko, der unserer Abwehr davonsprintete und Hedl den Ball aus den Händen schlug. Ob Foul oder nicht, ich werde mir die Szene nicht anschauen, der Ärger über ein womögliches Foul wäre zu groß. Besiktas machte nun weiter Druck, Rapid kassierte, einmal die linke, dann eine rechte. Schließlich sorgte eine Gerade voll in die Fresse für den nächsten harten Treffer, die Türken brachen durch unsere lasche Deckung einfach so durch. Rapid schien in den Seilen zu hängen, bäumte sich in den letzten Runden aber noch einmal auf. In den Schlussminuten sorgten wir wie schon im Heimspiel gegen Kapfenberg für eine intensive Schlussoffensive, jedoch ohne zählbaren Erfolg.

Sich über diese Niederlage, und den in weite Ferne gerückten Aufstieg, große Gedanken zumachen, dafür blieb nicht viel Zeit. Das Retourspiel gegen Kapfenberg stand schon ein paar Tage später auf dem Programm. Vier Kreidln setzten sich, teils mit, teils - wie eh schon gewohnt - ohne Karte in Bewegung. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung - wie eh schon gewohnt. Zuerst vergas der Fahrer wo er in der vorabendlichen Panier sein Auto geparkt hatte, um anschließend auch noch den PIN-Code seiner Bankomatkarte zu vergessen. Insofern war es nicht ganz verwunderlich, weshalb wir nicht ganz rechtzeitig kamen und so den Gong zur ersten Runde versäumten. Und auch der Grund warum unser Fetzen, trotz Anwesenheit nicht hängte. „Gruppo Kreidl – wir verpassen ois!“. Wirklich viel konnten wir in dem eher langweiligen Kampf nicht verpassen. Rapid war Runde um Runde tonangebend, ein wirklicher Treffer an Kinn oder Schläfe gelang aber nie. Kapfenberg nie in den Seilen und ab und zu mit Nadelstichen in der Offensive. Immerhin hatte jeder unserer drei Stürmer einen Sitzer am Fuß, die Deckung der ausdauernden Steirer aber hielt stand. Und im Konter hätte man beinahe doch noch den Gegentreffer kassiert, eine linke Gerade verfehlte Rapid aber gerade noch so, Katzer klärte allein gegen drei Angreifer. Man könnte zwar meinen Rapid hätte nach Punkten gewonnen, im Endeffekt war es aber ein seltenes Unentschieden, das erste der Saison.

Sonntag, 26. September 2010

Höhen und Tiefen

Nur wenige Tage nach dem Trip nach Porto ging es im nationalen Cup hart zur Sache. Weniger auf dem Platz als abseits - sollte man meinen. Wir waren nämlich zu Gast am „wunderschönen“ Verteilerkreis um gegen den Nachwuchs der Verseuchten zu bestehen. Weniger Zuschauerinteresse und dementsprechend weniger Exekutive gaben der Partie den gewissen Reiz. So spazierten wir zu siebt die Favoritner Straße hinauf, aber ohne wirkliche Probleme. Erst am Verteilerkreis spürten sich eine Gruppe von zehn bis zwanzig Burschen um uns gefährlich zu drohen. Der Blade von ihnen stolzierte in der ersten Reihe, riss sich sein Leiberl runter und schrie wie eine angesoffene Sau durch die Gegend (im übrigen sah er auch so aus, die schwabbelnden Fettschwaten werden wir glaub ich nie vergessen). Im Endeffekt hatte der Dicke aber nur eine große Klappe, bellende Hunde beißen nicht. Erst als sich die Situation beruhigte, riefen die schmächtigen Begleiter des Bladen im Schutze der Sicherheit uns ganz pöse Ausdrücke an den Kopf. Im Stadion kam dann unsere große Stunde. Unser Fetzen, der erstmals drei Tage zuvor in Porto präsentiert wurde, hatte nun Österreich-Premiere. Man kann sich zwar ein schöneres Stadion vorstellen, aber keine schönere Stadt als unser Wien. Zwar hängte er nur ganz außen, hatte jedoch mehrere Auftritte im TV. Nachdem Gartler Kavlak das Tor weggeschnappt hatte, schien es doch eine lässige Partie zu werden. Die Leistung aber wie schon in den Spielen zuvor grotesk, sodass es nicht einmal gegen den heutigen Gegner reichte. Der Ausgleich war schnell kassiert und bis zum Abpfiff der Verlängerung änderte sich da leider auch nichts dran. Im Elfmeterschießen setzte sich die Erfahrung dann aber durch, lediglich Kayhan verließen die Nerven. Payer hielt den letzten Penalty und bescherte uns im Achtelfinale ein Heimspiel gegen Zweitligist Hartberg.

Die englischen Wochen gehen weiter. Das Auswärtsspiel in Ried stellt für Gruppo Kreidl jedoch eine der schwärzesten Stunden dar. Finanz, Beruf oder Ausbildung machten uns einen Strich durch die Rechnung und so war kein einziger(!) von uns im Innviertel. Ein Novum, das in den vergangenen Spielzeiten nicht vorstellbar war. So verfolgte man von der Couch aus die Partie, die 1:3 verloren ging. Der Abwehrverbund bei allen drei Gegentreffern nicht gerade fehlerfrei, besonders Katzer und Hedl. Vennegoor of Hesselink indes mit seinem ersten Kopfballtor in grün-weiß. Und dem ersten Ermittlungsverfahren. Nachdem in einem Zweikampf mit Lexa dessen Kreuzband gerissen war, nimmt die Rieder Staatsanwaltschaft nun Ermittlungen gegen den Niederländer auf.

Darüber nicht so ganz freuen, dürfte sich Dieter Elsneg, der in der gestrigen Partie dem Kulovits ebenfalls ein Band riss und womöglich nun auch mit einem Verfahren rechnen wird müssen. Genauso wie überhaupt alle Spieler, die je irgendwann irgendwen auf dem Platz verletzten werden. Ein Glück für Ali Hörtnagel, dass er nicht mehr aktiv ist. Die Steirer gingen wider Erwarten rasch in Führung, nachdem Salihi in Minute Fünf ein Strafstoß verwehrt wurde. Der Albaner sorgte aber nur wenig später für das erwartete Goal. Nach der Pause gingen die Gäste abermals in Führung, Salihi abermals mit dem Ausgleich. Danach drängte Rapid auf das Siegtor, mit Nuhiu und Trimmel kamen ein dritter und vierter Stürmer. 4-2-4-halli-galli-System. Die Kapfenberger setzten aber immer wieder Nadelstiche, sodass auch ein dritter Gegentreffer durchaus möglich gewesen wäre. In der Nachspielzeit aber doch noch die Erlösung, Salihi scheitert noch am Keeper, Jan Vennegoor of Hesselink bugsiert den Abpraller aber über die Line und rutscht in der Folge über den nassen Rasen. Gruppo Kreidl packt’s gar nicht mehr und lässt den angestauten Emotionen freien Lauf. Alle sind am Zaun oben, alle schreien! Ein kleiner Schritt nach vorne, und jetzt kommt Besiktas!

Dienstag, 14. September 2010

Eine bittere Pille

Die Länderspielpause war endlich vorbei, zwei Wochen ohne unserer Rapid. Und dann gleich Derby! Auf Grund der Tatsache, dass die Hälfte von Gruppo Kreidl wegen Speiberei die Fahrt nach Linz absagen musste und nur zwei Mann der unglücklichen Niederlage auf der Gugl beiwohnten, war die spielfreie Zeit für einige von uns noch länger. Umso mehr brannten wir auf die Begegnung gegen die Unaussprechlichen. Wobei diese Derbies im Hanappi einen weit geringeren Reiz haben als jene am Verteilerkreis. So war es wie bei jedem Heimderby, dass man von den paar Hanseln die sich nach Penzing trauten nur eine Handvoll zu Gesicht bekam. Floridsdorf, Brigittenau und der gesamte Gürtel blieben von der Brut großteils verschont. Wegen logistischer Probleme war unser Lila-Beute-Doppelhalter nicht mit von der Partie, dennoch lag die sportliche Erwartungslatte für unsere grünen Götter hoch. Nachdem man in Linz rasch wieder am Boden der Realität angekommen war, erwartete man sich eine Trotzreaktion; außerdem war man in Heimderbies schon längere Zeit ohne Niederlage. Wobei heute nur drei Punkte zählten – egal wie! Der Niederländer Vennegoor of Hesselink wurde prompt mit einer eindrucksvollen Choreo begrüßt! Der Vorhang vor der West mit dem Schriftzug „Wien“ signalisierte, dass es in dieser Stadt nur einen wahren Verein gibt! Dahinter wurden mit mehreren Überrollfahnen unser Wappen und das Gründungsjahr präsentiert. Ergänzt wurden die Zwischenräume mit grün-weiß-rot-blauen Plastikfähnchen. Das Spiel konnte beginnen. Und sah eine tonangebende Rapid! Und eine konternde Tuntenmannschaft in zehn schwulblauen und einem rosa Trikot. Rapid mit Chancen en masse und Ballbesitz von sechzig bis siebzig Prozent; jedoch die Kugel, sie wollte und wollte einfach nicht hinter die Linie. Nuhiu mit zahlreichen vergebenen Chancen an diesem sonnigen Nachmittag, VoH in seinem ersten Spiel noch blass. Später kam für den Niederländer Salihi, der sich als Goalgetter keinerlei besser präsentierte. Drei, vier Chancen hatte der Albaner, Hundertprozentige, allein am Fünfer, oder noch näher! Doch ein jedes Mal schaffte er es das Leder am Tor vorbei zu schießen. Zwischendurch durfte auch Nuhiu wieder einen versemmeln. Die Stimmung in der Kurve nahm auf Grund des Führungstreffers der Verteilerkreisler und der immer weniger verbleibenden Spielzeit linear ab. Schließlich stachen der inferiore Dober und der mutlose Heikkinen besonders heraus, Mecki ausnahmsweise mal nicht so. Kulovits der Fels in der Brandung! Mit Trimmel kam dann noch ein wenig Schwung in die Partie, wobei auch er nur ein laues Lüftchen blieb. Und so blieb’s bei der ersten Niederlage in einem Heimderby für Peter Pacult und einem trostlosen Saisonstart mit lediglich neun von einundzwanzig möglichen Zählern.

Sonntag, 8. August 2010

Sofia Schwarzenegger im Figure of Eight

Nachdem man die Bulgaren aus Stara Zagora dienstags locker lässig 3:0 nach Hause geschickt hatte, fieberte ganz Wien der freitägigen Auslosung entgegen. Klingende Namen wie Liverpool, Juventus, Eindhoven, Man City oder Dortmund hätten nach Penzing reisen müssen, im Endeffekt war es ein nicht minder kurioses Los als für den Cup, wo wir nächstes Wochenende gegen unsere eigenen Amateure ranmüssen. Und so verschlägt es uns auch dieses Jahr wieder nach Birmingham, wieder Aston Villa, wieder ins Figure of Eight! Heute stand allerdings noch eine Reise nach Graz auf dem Plan. Gruppo Kreidl entsetzlich schwach mit nur drei Mann am Start – die Patienten müssen fitter werden! Fitter! Erschreckend früh war unser Trio bereits eine halbe Stunde vor Einlass(!) beim Stadion, so früh wie eigentlich noch nie. Die Zeit bis zum Anpfiff verging dennoch wie im Flug, da die Anwesenden wie ein Schas vorm Feuer brannten! Ganz unter dem Motto „Foahr ma drüba üba die Gscherten!“ gestaltete sich auch das Spiel, das auch von der Sturm-Kurve – man muss es gestehen – mit einer Zum-Schmunzeln-findenden Choreo eingeleitet wurde. Danach konzentrierte sich das Geschehen auf dem Platz aber wieder dem unsrigen Leitspruch gerecht zu werden und Rapid dominierte nach belieben. Die drei offensiven Mittelfeldspieler mittlerweile eine Augenweide, soviel Kreativität hat es schon lange nicht mehr bei Rapid gegeben. Und knapp vor der Pause köpfelt der schöne Jürgen zum 1:0 in die Maschen. Im zweiten Durchgang sieht Sonnleitner in seinem ersten Spiel gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber glatt Rot, die Zitterpartie sollte nun beginnen. Doch Sturm hatte unserer kompakten Defensive kaum was entgegenzusetzen und so assistierte der umfunktionierte Dober Jelavic zum 2:0-Endstand. Party in grün-weiß! Solche Krisen hat man gern! Die Rapid Wien ist wieder da! Nach Abpfiff sollten ein paar Grazer noch versuchen den Gästesektor via Spielfeld zu betreten, wurden aber unlustigerweise vom Ordnerdienst gestoppt. Was auf dem Weg zwischen Stadion und Bahnhof noch so passierte, entzieht sich unserer Kenntnis, da war Gruppo Kreidl schon wieder beim nächsten Bier. Und morgen, Samstag und in zehn Tagen werden noch einige folgen – besonders in zehn Tagen dann!

Montag, 2. August 2010

Besser ois Sex!

Da schreibt einer der Kreidln noch über Orgasmen bei Rapid-Toren und prompt geht ein paar Tage später Siebzehtausenden einer ab, dass man es nicht für möglich hält. Ironischerweise nur unserem Autor von Mittwoch nicht, der weilt seit Freitag mit seiner Oiden in Ägypten. Nach der frohen Kunde über das Ergebnis, wird die aber bestimmt auch ein paar Mal herhalten haben müssen. Rapid trat zwar mit der bereits gewohnten Formation mit Doppel-Sechs im Mittelfeld auf, Körpersprache, Einsatz und Leidenschaft war aber doppelt, dreifach so intensiv als in den Spielen zuvor. Und auch spielerisch ging wieder mehr. Kayhan und Hinum mit einer hervorragenden Leistung und Saurer sogar mit seinem ersten Tor für die richtige Seite. Salihi hätte zwei Minuten später für Jelavic quer legen müssen, dann wäre der Sack zu gewesen, so gelang Jantscher der Ausgleich. Rapid drückte, Hofmann mit einer Flanke an die Latte. Und als ich schon längst mit einem Remis abgeschlossen hatte, kommt der Pass auf Hofmann doch an und selbiger schlenzt ihn traumhaft, mit einer grazilen Schusshaltung, punktgenau in die lange Ecke. Die darauf erlebten Momente - unbeschreiblich! Besser als Sex! Ich sitze noch jetzt, dreißig Stunden danach, mit einem fetten Grinser und einem Gefühl von Zufriedenheit hier; das hat noch keine Frau zu Stande gebracht. Außer meine Rapid!

Montag, 26. Juli 2010

Ohne Worte

Zyniker würden gegenüber dem 0:4 in Innsbruck einen Aufwärtstrend erkennen: Weniger Tore bekommen, mehr geschossen, keine Verletzten, Hofmann wieder fit. Ich werde an dieser Stelle keine detaillierte Kritik schreiben, da ich mir denke, dass so ziemlich jeder am Platz sein schlechtest mögliches präsentiert hat. Hofmann mit Abstrichen noch bester Mann, der einem ja schon fast Leid tun muss. Das aufgebotene System mit zwei Sechsern dürfte nun auch der Vergangenheit angehören. Dabei möchte ich es eigentlich auch belassen. Ich warne lediglich vor Schnellschüssen in der Personalpolitik. In diesem Sinne freue ich mich dennoch auf die Auswärtsfahrt ins bulgarische Sofia. Gruppo Kreidl und The English Crew werden, wie schon in Marijampole, nur durch einen One-man-squad vertreten sein, unsere Rapid wird aber entgegen des Negativlaufs dennoch drei Punkte in die schönste Stadt der Welt mit heimbringen. Rapid - jetzt mehr denn je!

Montag, 19. Juli 2010

A Schande-kch!

Sonntag, 0600, Tagwache! Allerdings eine mit Genuss, auch wenn die Grillparty am Vorabend einen kleinen Brand erzeugte, jedoch die Polizei ausrückte. Die erste Runde der neuen Saison und dann gleich auswärts bei Wacker Innsbruck! Mit dem urigen Kreidlbus, der über 200.000 Kilometer am Buckel hatte, ging es ins Tirolische. Probefahrt für ein mögliches Hopping nach Udine. Und auch wenn wir nur in der ersten Spur mit 130km/h Spitze unterwegs waren, sollten wir halbwegs pünktlich kommen, auch wenn sich die Abfahrt eine halbe Stunde nach hinten verschob – eh wie immer. Dem ersten Bier kurz nach acht Uhr sollten bis zum deutschen Eck ein paar weitere folgen. Nach Snacks von Burger King und einer französischen putain, die in ihrem Clio ihre Beine spreizend auf dem Armaturenbrett lagerte und so prächtige Einblicke gewährte, ging es wieder zurück nach Österreich, wo die letzten von geschätzten vierundzwanzig Pinkelpausen gemacht wurden. Zu Einzelleistungen und dem Spiel selbst schreibe ich nichts, bis auf, dass wir uns wieder mal gewaltig in der Zeit vertan. Immerhin kamen wir zehn Minuten vor Anpfiff, mussten uns aber folgedessen am äußersten Rand des Blocks positionieren, dem einen Freud, des andren Leid. Ironischerweise sollten wir nach Abpfiff in überhaupt keine Rangeleien geraten, obwohl unser Kreidlbus direkt hinter der Heimtribüne parkte. Die Rückchfahrt nutzten wir dann um etwas Tirolerisch zu lernen und wieder einmal festzustellen, dass Österreich doch ein wunderschönes Land ist. Und dass wir beide Male falsch fuhren. So wie bei der Hinfahrt das große, war bei der Heimfahrt das kleine deutsche Eck, die falsche Wahl. Die Abfahrt nach Salzburg war gesperrt, Berchtesgaden wollte uns nicht und irgendwie fanden wir dann doch wieder die Autobahn. Nach Grundsatzdiskussionen über die Art des Supportes, versanken die Kreidln immer mehr in ihren Gedanken oder begannen zu pennen. Die drei Hübschen und ihre Titten an der Tankstelle Mondsee waren das letzte Highlight der Fahrt. Danach sinnierte ich noch ein wenig über mein persönliches Dasein als Fußballfans und stellte wieder mal fest, dass Fußballfans in kürzester Zeit mehr Emotionen erleben als Junkies auf Drogen und dass wir wohl die leidgeprüfteste Bevölkerungsschicht von allen sind. Wie ist es sonst anders zu erklären, dass Rückschläge so routiniert verarbeitet werden, und bereits am Folgetag eines solchen Debakels, nach nur vier Stunden Schlaf, Überstunden geschoben werden, nur um die gleichen „Versager“ im tausende Kilometer weiter entferntem Sofia wieder zu sehen?

Freitag, 14. Mai 2010

Ein Blick zurück

Tops
+ 110 Jahre
Im Jubiläumsjahr gelang es den Verantwortlichen mit Schalke04 und dem FC Liverpool zwei Topmannschaften nach Wien zu lotsen. Musste man gegen die Piefke eine 1:2-Niederlage hinnehmen, konnte man Englands Rekordmeister (auch wenn nur mit einer 1b-Garnitur) bei einer fantastischen Kulisse einen 1:0-Sieg abringen. Unvergessen auch jene Szene als der blutjunge Pehlivan ohne Rücksicht auf Verluste den Weltstar Gerrard von der Seite niedermäht und Pehlivan mit einer jugendlichen Selbstverständlichkeit aufsteht und den Engländer cool liegen lässt.

+ Zypern
Ein grandioser Sommertag auf der Insel im Mittelmeer! Für Abkühlung sorgten kühles Bier und die Fluten. Das Spiel war an Spannung nicht zu übertreffen, Trimmel in der Verlängerung aber mit der Entscheidung und einem Torjubel der seines gleichen sucht.

+ Aston Villa
Schon das Hinspiel sollte in die Geschichte eingehen, Rapid ringt dem Sechsten der vergangenen Premier League-Saison ein 1:0 ab. Die Reise nach Birmingham unter den ewigen Top3-Auswärtsfahrten! Das „Figures of Eight“ in grün-weißer Hand, der Chorteo durch die Innenstadt eindrucksvoll, der Support im Stadion lautstark und das Spiel selbst toppte den Spannungsgehalt von Zypern noch mal. Jelavic schießt den Anschlusstreffer und bringt eine totgesagte Rapid in die Gruppenphase! Und die englischen Medien holen sich wegen dem geisteskranken Support noch zwei Wochen später einen runter!

+ Hamburger SV
Gegen den hanseatischen Traditionsverein folgte das nächste Märchen! Mit drei Toren schoss man die Piefke aus dem Prater und sorgte in ganz Europa für Schlagzeilen. „Rapid marschiert, Wien regiert, ganz Europa wird paniert!“ Dass Rapid in der Europa-League die besten Zuschauerwerte aufweisen kann, stellte man beim Rückspiel in Hamburg noch einmal eindrucksvoll unter Beweis. Mit über 8.000 Schlachtenbummler (wobei ein beträchtlicher Anteil in die Rubrik Gloryhunters fällt und das ganze ein wenig relativiert) fiel Rapid im Norden Germaniens ein, der Kiez in grün-weißer Hand!

+ Glasgow Celtic
Wieder war es Jelavic, der Rapids Tor erzielte. Und das nach drei Minuten. McDonald gelang eine Viertelstunde später leider der Ausgleich, sodass eine weitere Sensation ausblieb. Wobei man in Glasgow erst einmal punkten muss. Manchester United, AC Milan oder FC Barcelona können ein Lied davon singen, auch ihnen gelang nicht mehr.

+ Derbysiege
Beide Heim-Derbies wurden diese Saison eindrucksvoll für sich entschieden! Dem 4:1 im November folgte ein süßer 2:0-Erfolg im März über die Gäste dieser Stadt. Und auf den Straßen sah man nur eine handvoll Unaussprechlicher.

+ Offensive
Mit Hoffer-Maierhofer gab man den 50-Tore-Sturm ab und jeder prophezeite den Untergang. Es kam aber alles anders! Mit 80 Toren stellt Rapid mit Abstand die beste Offensive Österreichs - zum dritten Mal in Folge! Hofmann der erste Mittelfeldspieler, der sich die Torschützenkrone sichert und mit Jelavic (18 Toren) und Salihi (15) folgen weitere Toptorjäger!

+ Pipi Langstrumpf
Eh wohl die geilste Scheibe, ging der Block West im Heimspiel gegen Celtic zu genau diesen Rhythmen so richtig ab! Drei Ränge, zehntausend Menschen, hüpfend und glückselig singend. Ein paar Minuten vollkommener Zufriedenheit. Gänsehaut!

+ Neustadt Pogo
Trotz zweimaliger Führung nur ein Punkt. Der dreizehnminütige Pogo auf den vom Nieselregen nassen Steinstufen aber legendär!

+ Mattersburger Wechselgesang
Sicherlich auch weit oben anzusiedeln ist der noch nie zuvor dagewesene Wechselgesang mit der Haupttribüne am letzten Spieltag in Mattersburg. Die realistischen Chancen auf den Titel waren mickrig, die Hoffnung stirbt aber zuletzt. Folge dessen hätte man den Gästeblock zweimal vollbekommen, so wichen hunderte Rapidler auf die Haupttribüne aus und inszenierten gemeinsam eine akustische Meisterleistung.

+ Ciao, Jimmy!
Ein Herz-Schmerz-Moment kurz vor Anpfiff der dritten Runde. Jimmy Hoffer wurde Richtung Italien verabschiedet. Der damals 22-Jährige netzte für Rapid in 85 Spielen unglaubliche 41 Mal. Unvergessen seine drei Tore beim 0:7 in Salzburg oder seine vier Treffer in einer Halbzeit beim 2:7 in Altach.

+ Pacult vs. Medien
Der Auszucker am vorletzten Spieltag war der bis dato letzte Akt eines unterhaltsamen Stückes, das sich bereits über die gesamte Saison zieht und im neuen Jahr bestimmt eine Fortsetzung findet. PP wohl der einzige Bundesliga-Trainer mit Eiern in der Hose, der sich nicht alles andichten lässt. Oder vielleicht gerade weil der Pacult als so ein Häferl gilt, provozieren ihn die Reporter gerne, besonders die von Sky. Ich, und da bin ich bestimmt nicht alleine, find’s jedenfalls unterhaltsam und beruhigend zu sehen, dass sich nicht ein jeder alles gefallen lässt.

+ Eigene Bilanz
Und abschließend, auch wenn Eigenlob stinkt, fällt auch meine eigene Bilanz in die Kategorie Top. Dreiunddreißig Meisterschaftsspiele, drei im Cup, elf Europacup und neun Testspiele. Damit nur zehn Spiele (davon fünf Freundschaftsspiele) verpasst. Bei den verpassten Pflichtspielen handelt es sich um beide Meisterschaftspartien in Kärnten, sowie Kapfenberg auswärts im Frühjahr, der 2. Cuprunde in St. Veit und dem Europacup-Rückspiel in Albanien.



Flops
- Hapoel Tel-Aviv
Eine wunderschöne Stadt, mehr aber auch nicht. Sportlich gab es für uns überhaupt nichts zu holen und die folgenden Schikanen am Flughafen taten ihr übriges. Das Rückspiel verlief ähnlich. Rapid anfangs überlegen, Hapoel aber mit der Führung und dem klaren Sieg. Eine sportliche Bankrotterklärung.

- Cup
Das 1:7 in St. Veit blieb der einzige lockere Erfolg. Gleich zum Auftakt zitterte man sich in Parndorf durch die Verlängerung. Im Achtelfinale gegen Blau-Weiß war man lange Zeit nicht im Stande das Tor zu treffen, konnte der unverdiente Rückstand gerade noch in ein 2:1 verwandelt werden. Und im Viertelfinale schließlich der K.o. gegen einen Tabellenletzten, der in der gesamten Saison gerade mal zwei Spiele gewinnen konnte, und das nach eigener Führung, nur wegen zweier Eigentore.

- Außendecker
Die haben wohl den einen oder anderen Punkt auf dem Gewissen. Mit Sicherheit die größte Unsicherheit der Mannschaft. Egal ob Katzer, Dober, Thonhofer oder Kulovits außen agierten, für zittern war immer gesorgt.

- Endtabelle
Auch wenn die eigenen Leistungen im groben gepasst haben, wirklich zufrieden kann man mit der Endtabelle nicht sein. Der Europacupplatz ist war erreicht, die Unaussprechlichen sind aber vor einem und die Chance auf den Meistertitel wurde einige Male leichtfertig verspielt…

- Die eigene Unfähigkeit
…war es im Endeffekt, die den Titel kostete. Zwar kann man sagen, in den direkten Duellen verloren zu haben. Denn das letzte Derby wurde genauso verloren wie das Heimspiel im Frühjahr gegen die Dosen (jeweils mit 0:1); genauso kassierte man in Salzburg Minuten vor dem Ende noch den Ausgleich. Und noch viel mehr ärgert es, wenn man gegen den LASK zuhause nur remisiert, in Neustadt nach zweimaliger Führung nur mit einem Pünktchen dasteht oder in Kapfenberg in der 91. noch den Ausgleich kassiert.

- Pyrotechnikgesetz
Am Anfang des Jahres eingeführt, mit drastischen Strafen zu kriminalisieren. Die aktive Fanszene ließ sich aber davon nicht unterkriegen und zündelt munter weiter. Ausgehend vom Block West wurde die Initiative Pyrotechnik ist kein Verbrechen ins Leben gerufen, die mittlerweile in ganz Österreich Anklang findet und sogar von aktiven Spielern in Österreich sowie aktiven Fanszenen aus dem Ausland Unterstützung genießt.

Somewhere over the rainbow

In einem gemütlichen VW-Bus machten sich Gruppo Kreidl, The English Crew und Der aus dem Dreiundzwanzigsten auf den Weg nach Mattersburg zur letzten Meisterschaftspartie. Im Nachhinein kann man wohl sagen, dass es lediglich die Hoffnung war, die unsere Träume noch nicht wie Seifenblasen platzen ließen. Rational betrachtet, erschien diese Hoffnung als äußerst unwahrscheinlich. Im burgenländischen Sommerregen standen wir also und beteten auf Grazer und Rieder Schützenhilfe. Nach einer Viertelstunde erlosch aber auch der letzte Funke Hoffnung, die Dosen binnen drei Minuten 0:2 in Führung. Dennoch entwickelte sich eine für die Verhältnisse gute Stimmung, die in einem Wechselgesang mit der Haupttribüne(!) gipfelte. Der rasche Ausgleich zu Beginn der zweiten Hälfte, folgte prompt ein erneuter Salihi-Treffer, der wieder Platz Zwei bedeutete, vor den Unaussprechlichen. Doch in den Torjubel folgte die ernüchternde SMS:„Tor für lila…“. Salihi besorgte auch noch das dritte, die Rieder kassierten ebenfalls noch eins. Dann war Schluss.

Zum Ende der Saison steht nun tatsächlich nur der dritte Rang. Wo, wann und gegen wen man die Meisterschaft verspielt hat, da gibt es so manche Theorie. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass man mehr Punkte als in der Meistersaison 2008 holte und zum dritten Mal in Folge die beste Offensive stellt. Die ein oder andere Schwäche im defensiven Bereich wird wohl keinem entgangen sein, Lösungen stehen hoffentlich kurz bevor. Die Leistungen waren im Großen und Ganzen in Ordnung, und man kann erhobenen Hauptes in die Sommerpause gehen. Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle noch an all unsere Autofahrer senden, die uns stets verlässlich, und meist auch pünktlich, trotz Restfetten oder Halbachsenbruch, immer sicher an unser Ziel brachten und die Anstrengungen, die alkoholisierte Fahrgäste mit sich bringen, bravourös meisterten.