Posts mit dem Label Europa League werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Europa League werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 4. Dezember 2010

Es geht wieder aufwärts...ein bisserl zumindest

In der Meisterschaft seit gut zwei Monaten ungeschlagen, war dennoch ein bissl Feuer am Dach. Denn von sieben ungeschlagenen Spielen endeten fünf nur unentschieden. Und dass obwohl in den ersten acht Partien kein einziges als Remis abgepfiffen wurde. Durch diese ganzen Punkteteilungen verlor Rapid den Anschluss an die Tabellenführung und konnte ein Abrutschen auf den siebenten Rang nicht verhindern. Und deswegen auch die Kritik der Fans. Mit dem X in Salzburg und dem Heimsieg gegen Sturm zeigte die Formkurve aber wieder etwas nach oben. In Mattersburg erlaubte sich unsere Elf wieder einen kleinen Durchhänger, im Heimspiel gegen den LASK aber ein furioses Feuerwerk, angeführt von unserer Nummer Neun, die gleich viermal netzte. Und auch Käfigkicker Gartler trumpfte ein weiteres Mal auf, konnte sich ebenfalls in die Schützenliste eintragen und legte zwei Salihi-Treffer vor. Rapid klettert die Tabelle hoch.

Dass drei Tore gegen die Linzer in der Rapid-Viertelstunde erzielt wurden, zeigt einmal mehr vom Rapid-Mythos. Und jetzt kam das Derby! Tags zuvor pilgerten tausend Anhänger mit der Message „Ein Derbysieg kann alles wieder gut machen. Gemma Burschen!“ zum Abschlusstraining nach Hütteldorf. Nicht ganz so viele als sonst, dürften es dann tags danach beim Chorteo gewesen sein, der uns vom wunderschönen Stephansplatz in den wohl hässlichsten Teil unserer Stadt führte. Wind und Wetter wurde dennoch getrotzt. Es knisterte in der Luft. Akustisch, choreographiemäßig und mit reichlich Pyro zeigte man den Unaussprechlichen wer Herr im Hause Wien ist. Der Adrenalinspiegel steigt von Minute zu Minute. Das Stück konnte beginnen. Im ersten, zeitweise lustlosen, Akt waren die Unnötigen zwar überlegen, bis zur Pause sollte allerdings nichts Erwähnenswertes geschehen. Mit immer stärker werdendem Schneetreiben im zweiten Akt, gelang den grün-weißen Gladiatoren aber das Heft an sich zu reißen. Den Unaussprechlichen wurde wahrlich nichts geschenkt, Salihi mit der Führung! Die Clowns wussten nicht wie ihnen geschieht, waren völlig von der Rolle. Liendl verlor in der Folge seinen Nerven und attackiert den völlig unschuldigen und nichts ahnenden Dober tätlich - Platzverweis! Der Niederschlag wird immer heftiger, von den Rängen folgt ein Wirbeldonner dem anderen, Favoriten versinkt im Chaos, Attacke um Attacke knallt auf die Widersacher ein, Weltuntergang, die Rapid ist da! Und wie in einem Schauspiel von Shakespeare lichtet sich gen Ende des Spektakels der Himmel, das Schneetreiben setzt aus und die Jünger und ihre Propheten tanzen freudig in die Nacht hinein, weil sie das Böse besiegt haben!

In Pudelmütze und Daunenjacke gepackt, ging es donnerstags noch ein letztes Mal für das Jahr 2010 in den Prater. Wie schon letzte Saison gegen Celtic, bescherte uns Frau Holle auch dieses Jahr gegen den FC Porto einen winterlichen Abschluss in der Europa League. Die Fahnen waren bereits auf Halbmast, eine realistische Chance auf den Aufstieg minimal. Der Wintereinbruch sorgte aber noch einmal für positive Energien, die heuer noch ungeschlagenen Portugiesen haben doch bestimmt noch nicht oft auf eisigem Geläuf gekickt, und man munkelte sogar, dass der ein oder andere erstmals in seinem Leben Schnee auf seiner Haut spürte. Was vielleicht auch das Führungstor durch Trimmel bewies. Die knapp fünfzigtausend feuerten die Mannschaft noch einmal an, und der zwölfte Mann mit einer - eh schon gewohnten - wunderschönen Choreographie - in der zwölften Minute. Leider musste man dann miterleben, dass durchaus auch norwegische Verteidiger mit eingeschneitem Rasen Probleme haben können. Und auch österreichische Torhüter. Und weil Besiktas in Sofia eh gewonnen hatte, war eh alles für die Wetti Tant’. Im Nachhinein bleibt in den Finanzen bestimmt ein saftiges Plus, ob wir aber auch im Hanappi alle drei Spiele gegen durchaus schlagbare Gegner verloren hätten, dürfte wohl wieder eine deftige Debatte auslösen…

Freitag, 5. November 2010

„Wiedaschaun, Europa!“

„The bitterest pill is mine to take, if I took it for a hundred years, I couldn't feel any more ill“, sang The Jam bereits 1982. Okay, es sind vielleicht noch keine hundert Jahre, die vermeidliche Schwächeperiode unserer Rapid dauert aber mit ein paar Ausreißern nun doch schon ungewohnt lange Zeit an und drückte uns seit Juli schon so manche bittere Pille rein. Vom Aufbaugegner Rapid ist bereits die Rede, vom Sparing-Partner. Die Zyniker unter uns meinen, dass wir immerhin seit fünf Spielen ungeschlagen sind, und die Abwehr seit den vier Trümmern in Innsbruck ja auch einen Aufwärtstrend verbucht, immerhin hat man seit dem nie wieder so viele Tore in einem Spiel kassiert. Das nächste „Endspiel“ stand auf dem Programm. Der Gegner hieß ein zweites Mal ZSKA Sofia, Spielort war diesmal das Praterstadion. Mit einer eindrucksvollen Chaos-Choreo, mit Fahnen und Doppelhaltern in allen drei Rängen, leitete der C/D-Sektor das Spiel ein. Und der Schwung, die Euphorie, sie sollte sich auf den Platz übertragen. Zumindest eine Zeit lang. Kavlak donnert den Ball nach nur zwei Minuten ans Gebälk. Und Minuten später scheitert Pehlivan mit einem aussichtsreichen Schuss am Keeper. Der Lattenkracher von ZSKA holte uns aber wieder aus dem Glücksbärenland zurück. Gruppo Kreidl, am äußersten Rand des Sektors, bemerkte zudem auch den bulgarischen Anhang, der sich ein ums andere Mal akustisch bemerkbar machte, und im zweiten Durchgang auch mit reichliche Pyrotechnik. Dazu hatten sie auch allen Grund, denn Salihis Elfertor war nur der Ausgleich zur bulgarischen Führung. Schließlich schlief Sonnleitner und erzielte praktisch per Eigentor den Siegtreffer für ZSKA. Die Mannschaft zeigte noch mal ein Lebenszeichen, doch weder der verspielte Gartler, noch der ständig im Seitenaus herumirrende Trimmel, noch der Freistoß-Depp Dober konnten als Joker der Partie die entscheidende Wendung geben. Nach Schlusspfiff verabschiedete sich die Mannschaft nicht von der Kurve und die schon in den letzten Runden zu hörenden „Pacult Raus!“-Rufe wurden wieder etwas lauter. Ob nun dem Trainer, den Sportdirektor oder gar den Spielern die Rute ins Fenster gestellt werden sollte, bleibt zu diskutieren. Ein Zeichen muss jedenfalls gesetzt werden. Jetzt. Sofort!

Montag, 4. Oktober 2010

In die Nieren

So in etwa fühlt es sich die letzten Spiele an, unserer Rapid zu zusehen. Donnerstag, in der Europa League das erste Heimspiel, im Prater gegen Besiktas. Die Türken um Quaresma und Guti doch irgendwie leichter Favorit, Rapid hielt aber tapfer dagegen. Sonnleitner rechts außen sollte Quaresma abmontieren, eine Taktik, die anfangs gut funktionierte, bis zur Verletzung des Portugiesen. Dann hätte man wohl umstellen müssen, der flinke Holosko, nämlich eher ein Mittelstürmer, hatte in der Folge mit dem turnbefreiten Patocka im Zentrum leichtes Spiel. Dennoch ging Rapid in Führung, nach einem schönen Tor von Kavlak. Besiktas zuvor aber mit zwei Treffern ans Aluminium nach Punkten in Führung. Die Stimmung war nicht schlecht, kam aber nie wirklich an das Niveau der letzten Saison ran. Unser Fetzen hängte diesmal ganz rechts außen, auf dem ersten Blick ziemlich verlassen von den anderen. Was aber einen einfachen Grund hatte: Weil wegen der Choreo schlichtweg das Geländer mit Tixo zugepickt war. Nach der Führung antworteten die Türken rasch, natürlich war es der schnelle Holosko, der unserer Abwehr davonsprintete und Hedl den Ball aus den Händen schlug. Ob Foul oder nicht, ich werde mir die Szene nicht anschauen, der Ärger über ein womögliches Foul wäre zu groß. Besiktas machte nun weiter Druck, Rapid kassierte, einmal die linke, dann eine rechte. Schließlich sorgte eine Gerade voll in die Fresse für den nächsten harten Treffer, die Türken brachen durch unsere lasche Deckung einfach so durch. Rapid schien in den Seilen zu hängen, bäumte sich in den letzten Runden aber noch einmal auf. In den Schlussminuten sorgten wir wie schon im Heimspiel gegen Kapfenberg für eine intensive Schlussoffensive, jedoch ohne zählbaren Erfolg.

Sich über diese Niederlage, und den in weite Ferne gerückten Aufstieg, große Gedanken zumachen, dafür blieb nicht viel Zeit. Das Retourspiel gegen Kapfenberg stand schon ein paar Tage später auf dem Programm. Vier Kreidln setzten sich, teils mit, teils - wie eh schon gewohnt - ohne Karte in Bewegung. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung - wie eh schon gewohnt. Zuerst vergas der Fahrer wo er in der vorabendlichen Panier sein Auto geparkt hatte, um anschließend auch noch den PIN-Code seiner Bankomatkarte zu vergessen. Insofern war es nicht ganz verwunderlich, weshalb wir nicht ganz rechtzeitig kamen und so den Gong zur ersten Runde versäumten. Und auch der Grund warum unser Fetzen, trotz Anwesenheit nicht hängte. „Gruppo Kreidl – wir verpassen ois!“. Wirklich viel konnten wir in dem eher langweiligen Kampf nicht verpassen. Rapid war Runde um Runde tonangebend, ein wirklicher Treffer an Kinn oder Schläfe gelang aber nie. Kapfenberg nie in den Seilen und ab und zu mit Nadelstichen in der Offensive. Immerhin hatte jeder unserer drei Stürmer einen Sitzer am Fuß, die Deckung der ausdauernden Steirer aber hielt stand. Und im Konter hätte man beinahe doch noch den Gegentreffer kassiert, eine linke Gerade verfehlte Rapid aber gerade noch so, Katzer klärte allein gegen drei Angreifer. Man könnte zwar meinen Rapid hätte nach Punkten gewonnen, im Endeffekt war es aber ein seltenes Unentschieden, das erste der Saison.

Freitag, 17. September 2010

Tripper ist nicht besser als Orangensaft

Letzten Endes lagen wir dann doch bis kurz nach Mitternacht am Boden des Wohnzimmers, konnten aber dann stolz unseren Fetzen mit nach Hause nehmen. Nach einer sehr kurzen Nacht trafen wir uns schon um halbsechs Uhr morgens um zu viert die Reise nach Porto anzutreten. Auf das übliche Guten-Morgen-Bier wurde dermal verzichtet um chillig bei McDonald’s zu frühstücken. Was eigentlich nicht nötig gewesen wäre, denn auf Grund des Fluglotsenstreiks in Frankreich, wie sich später herausstellen sollte, mussten wir eine geschlagene Stunde in der Boarding-Halle warten. So hob unsere Maschine erst um halbzehn ab, als letzter grün-weißer Flieger Richtung Portugal, mit fünfundneunzig Prozent Patienten an Board. Wenigstens die g’schmackigen Croissants und die Crew der italienischen Neos Airline versüßten uns ein wenig den Flug, Cristina, mit dem verrutschten BH und der warme Steward, der sich bissl spürte. Kurz vor Mittag setzen wir in Porto auf, wo uns herrliches Altweibersommerwetter empfing, Sonnenschein und etwas über zwanzig Grad. Bereits auf der Fahrt ins Stadtzentrum stellte sich heraus, dass die Stadt südländisches Flair versprühte. Die urigen Häuser und die kupferroten Ziegeldächer dominierten das Stadtbild. Die engen, schattigen Gassen zwischen den Häusern taten ihr übriges und die zahlreichen Brücken über den Douro verpassten der Stadt einen dennoch modernen Touch. Der Hunger trieb uns zuerst in ein eher chices Hotel, wo wir uns aber irgendwie nicht ganz wohlfühlten und lediglich zur Pinkelpause nutzten. Zum Glück für uns, denn nur ein paar Häuser weiter, entdeckten wir eine urige Taverne mit nationalen Leckereien und Milka-Schokolade. Die einfacheren Varianten mit Fleisch, Eierspeise, Pommes und Salat setzte sich indes gegen die in Porto beliebte Speise „Tripas“ - ein Misch aus Reis, weißen Bohnen und irgendeinem unidentifizierbarem Fleisch -, was man wie eine Geschlechtskrankheit ausspricht, und laut O-Ton auch so schmecken soll, klar durch. Natürlich wurden auch die ersten Bierchen des Tages gekippt, das Superbock aber keine Offenbarung. Durch die alten Gasseln gingen wir planlos durch die Altstadt und versuchten so viel südländisches Ambiente wie nur möglich aufzusaugen, mit dem Ziel irgendwann am Ufer des Douro zulanden. Das geplante Ziel, dem Estadio do Bessa, der Heimstätte von Boavista Porto, einen kurzen Besuch abzustatten, wurde kurzfristig doch über Board geworfen, da man die Tribünen eh schon aus der Luft begutachten durfte. Über eine Anhöhe erhaschten wir einen grandiosen Ausblick über die gesamte Stadt, im Osten die Kathedrale und die riesige Ponte Luis I., im Westen tausende von alten Wohnhäusern und direkt vor uns erstreckte sich der Douro in all seiner Pracht, eine wirklich herrliche Stadt. Lediglich die zahlreichen Drogendealer, womöglich Prostituierten und Zigeuner verpassten der Stadt ein heruntergekommenes Bild. Die hüglige Stadttour, in der es immer über zahlreiche, durchaus steile Anstiege einmal rauf, dann wieder runter ging, beendeten wir planmäßig am Flussufer. Nach weiteren Biers und weiteren Gruppenfotos samt Fetzen, überquerten wir dann auch die imposante Ponte Luis I., die von Gustav Eiffel konstruiert wurde. Die Stahlverstrebungen erinnerten dabei sehr an den Eiffelturm in Paris. Das eindrucksvolle war aber, dass die Brücke zwei Ebenen hat. Unten findet der Auto- und Fußverkehr statt, in einer Höhe den Donaubrücken entsprechend. Die obere Ebene, wo der Straßenbahnverkehr stattfindet, liegt allerdings auf einer Höhe von knapp über vierzig Metern! Am anderen Ufer des Douro tummelten sich auch bereits einige Porto-Supporters, während die Altstadtseite klar in grün-weißer Hand war. So verbrachten wir die letzten Stunden chillend am Ufer des Douro, wieder mit einigen Flaschen Superbock und lernten mit Martje und Alina zwei fesche Gretln aus Holland und Belgien kennen, die uns so einiges aus der Benelux-Kultur näher brachten und wir wiederum einiges Österreichisches. Ein bisschen „noeken in de koeken“ hat noch niemandem geschadet. Anschließend ging’s planlos über die Ponte Luis retour in die Altsadt, über tausendvierhundertdreiundachtzig Stufen die Hügerln hinauf. An Stelle der Busse bevorzugten wir aber ein Taxi zu nehmen, welches uns für etwas mehr als sieben Euro durch die halbe Stadt, direkt vor’s Stadion kutschierte. So betraten wir als eine der ersten den Block und positionierten uns günstig links außen, wo unser ganzer Stolz, unser Fetzen, schön sichtbar war und auch wir gute Sicht auf das Feld hatten. Das Spiel selbst entsprach dann den Vorstellungen, dass der Champions-League-Sieger von 2004 um eine Klasse besser war, unsere Mannen aber dennoch tapfer dagegenhielten, zur Pause nur ein 1:0 auf der Anzeigetafel prangte und Nuhiu und Kulovits sogar die Riesenmöglichkeiten zum Ausgleich ausließen. Die ersten zwanzig Minuten im zweiten Durchgang gehörten dann uns, ein Tor wollte aber nicht fallen. Schließlich legte der FC Porto noch zwei nach und der fette Kerl in unserer Reihe applaudierte weiter im Sitzen. Wir sangen aber weiter und waren stolz, dass wir es überhaupt wieder in die Gruppenphase geschafft hatten. Der fette Kerl hatte indes nur noch Provokationen für uns über, selbstverständlich saß er immer noch auf seinem fetten Arsch. Erst als wir uns zu ihm rüberdrehten und ihm mit ausgestrecktem Finger auslachten, war der Blade peinlich berührt und kusch. Währenddessen gingen die Heim„fans“ bereits nach Hause, die Akustik weiter in unserer Hand. Nach Spielende war auch die Porto-Kurve in minutenschnelle leer und nur noch wir saßen etwas enttäuscht, aber dennoch froh über einen schönen Tag in Porto, im Estadio do Dragao. Die Ordner wurden schließlich etwas unruhig und wollten uns aus dem Stadion haben, zur Beruhigung warfen wir ihnen ein paar Cents vor die Füße, was wiederum nur dumme Gesichter und portugiesische Flüche zur Folge hatte. Dank der streikenden Franzosen, hatte dann auch unser Rückflug eine Stunde Verspätung und so durften wir drei Stunden am Aeroporto warten. Um halbdrei hob die italienische Maschine dann ab. Ob Cristinas BH gerichtet war, bekamen wir nicht mehr mit, da wir einfach nur noch pennten. Und um viertelsieben dann endlich wieder in Wien waren.

Freitag, 27. August 2010

Déjà-vu!

Mental war der Block schon vier Tage weiter in Birmingham, Mattersburg daheim – ein Sieg im Vorbeigehen. Ganz so klar war’s dann doch nicht, unterm Strich aber trotzdem ein sauberes 2:0. Die Hinigsten machten sich bereits Mittwochmittags mit dem Bus auf den Weg in die Midlands (und haben immer noch zwölf Stunden Heimfahrt vor sich!), der Rest vom Mob, der heuer noch mal um zweihundert Leute getoppt wurde, wie gewöhnlich am Morgen des Matchtags mit dem Flugzeug. Und weil man sich noch in Wien respektive im Flieger auf die Welle begab, ging’s in unserem Birminghamer Stammpub, dem Figure of Eight, gleich weiter. Mittags das gewohnte Mahl bei McDonald’s, nur machte man davor noch einen kurzen Abstecher ins Casino. In der eigenartig wirkenden Spielhölle wurde am Black Jack- und Roulette-Tisch dominiert und ein kleines Plus erwirtschaftet. Da die Gamble-Automaten im Pub zuvor aber kaum etwas ausgespuckt hatten, waren wir unterm Strich aber immer noch etwas im Minus. Nach einigen Litern Carlsberg, Carling, Foster’s, Strongbow, John Smith und Newcastle hatte man vor der Abfahrt zum Villa-Park noch ein nette Unterhaltung mit örtlichen Exekutivbeamten und im Bus dann den wohl legendärsten Chauffeur der Auswärtsfahrerei, Roger. Die typisch britischen Stadionzugänge wurden im Eiltempo durchquert und ideale Plätze in der dritten Reihe in Beschlag genommen. Dann ging’s los! Die Villa-Fans nach fünfzehn Minuten vom Lärm, den sie eigentlich vom letzten Jahr schon kennen sollten, der heuer aber wohl um Nuancen noch lauter war, konsterniert. Da blickten sie nur zu uns auf, anstatt auf’s Feld. Agbonlahor dennoch mit der Führung für die Pressing-agierenden Engländer. Rapid versteckte sich aber nicht. Die Mannen auf dem Feld wie grün-weiße Löwen und die 1.400 Schlachtenbummler, wir unterstützten sie weiter, immer weiter! Nach der Pause, kurz nach Seitenwechsel, Rapid war nun feldüberlegen, erkämpft sich Kavlak einen verloren gegangenen Ball artig zurück, lässt den Verteidiger stehen, schlägt ein Kipferl zur Mitte und der Nuhiu haltet seine Birne hin und lässt uns alle auszucken! Villa bemüht sich nun wieder etwas mehr für’s Spiel zu tun; dann doppelter Elferalarm in unserem Sechzehner. Zuerst foult Katzer, die Pfeife bleibt aber stumm, nur Minuten später bringt dann Sonnleitner Heskey zu Fall, und nun gibt der niederländische Schiri Penalty. Petrov tritt an. Nach einem kurzen Anlauf tritt er die Kugel ins linke Eck und Hedl, er hält! Der Sektor tobt! Dass Heskey den Nachschuss nur knapp über die Latte setzt, sollte ich erst tags darauf zu sehen bekommen. Die Stimmung, sie steigt, obwohl eine Steigerung kaum mehr möglich sein konnte. Wie letztes Jahr vergibt Villa auch heuer wieder einen Strafstoß. Die Hausherren geben aber nicht auf, spielen weiter nach vorne, unsere grün-weißen Krieger halten aber aufopfernd dagegen, kämpfen und beißen! Dahinter ihr zwölfter Mann! Noch nie fühlte ich Rapid als solch eine Einheit! Dennoch gelingt Heskey nach einer Druckphase die erneute Führung indem er einen Beye-Schuss von der Strafraumgrenze mit der Brust abfälscht. Nicht mehr lang zu spielen, die Rapid-Viertelstunde beginnt, noch einmal Vollgas geben – sie auf dem Rasen und wir auf den Rängen! Das Echo unserer chants scheint ganz Birmingham zu überstrahlen, Rapid weiter im Vorwärtsmarsch. Hofmann mit einer Ecke, direkt vor unserem Sektor. Der Ball geht kurz, ich glaube Nuhiu scherzelt per Kopf weiter und Sonnleitner drückt den Ball vom Fünfer Richtung Tor; der Torwart kommt zwar noch dran, die Kugel kullert aber gemächlich hinter die Linie! Männer liegen sich nun in den Armen und schreien ihre Freude aus dem tiefsten ihrer Seele hinaus in die englische Nacht! Den ersten kommen bereits die Tränen! Zu surreal die gesamte Szenerie! Und Minuten später brechen dann alle Dämme: Hofmann mit einem Zuckerpass auf rechts, Trimmel erkämpft sich den Laufpass und spielten einen perfekten Stanglpass zur Mitte, exakt zwischen Verteidiger und Torhüter hindurch und Gartler lauert am langen Eck und drückt das Leder hinter die Linie! Nun gibt es endgültig kein Halten mehr! Der Sektor tobt, die Erde bebt! Zwei-Meter-große tätowierte Typen stehen ungläubig mit Tränen in den Augen da, Menschen liegen sich in den Armen und lassen sich nicht mehr los, manche zeigen überhaupt keine Reaktion und stehen einfach nur kopfschüttelnd da, Mädchen brechen sich beim Torjubel die Zehen, „Bist du deppat!“ kann man von Mündern ablesen, alles ist wie in einem Traum. Die letzten Minuten vergehen wie im Flug, wir Fans am Feiern, die Spieler am Platz behalten die Nerven, die Villa-Supporters am Heimweg. Und dann war Schluss! Rapid wirft Aston Villa zum zweiten Mal in zwei Jahren aus dem Europapokal hinaus, Mannschaft, Betreuer und Fans feiern noch eine halbe Stunde nach Abpfiff und machen die Nacht zum Tag! Noch nie fühlte ich uns alle als solch eine Einheit! Genau solche Partien sind es, warum man sich auch Mattersburg zuhause antut. Erst dadurch bekommt das gestern erlebte den letzten Pfiff. Und die Auslosung für die Gruppenphase, mit der - nun kann ich es ja sagen - ich entgegen meines gesamten Zweckoptimismus, realistisch betrachtet eigentlich nicht mehr gerechnet hatte, verspricht ja drei nette Auswärtsfahrten. Und vielleicht werden’s ja noch mehr.

Freitag, 20. August 2010

Alle Jahre wieder

Der 2:5-Auswärtssieg bei den Rapid Amateure im Cup war locker eingefahren, obwohl die Amateure bis zur Halbzeit durchaus ebenbürtig waren. Tags darauf entschied man sich spontan für einen Groundhoppingtrip nach Deutschland. Über zweitausend Kilometer legten zwei Kreidln zurück um die Pokalpartie zwischen den Offenbacher Kickers und dem VfL Bochum beizuwohnen. Bis Nürnberg lag man auch gut in der Zeit, für die folgenden zweihundert Kilometer sollte man dank zahlreicher Baustellen und Vierziger-Zonen(!) aber mehr als fünf Stunden benötigen. So kamen wir wenigstens zur zweiten Halbzeit an den Bieberer Berg, wo wir einen lautstarken Heimsupport und lauwarme Gästefans antrafen. Die 2:0-Pausenführung erhöhten die dominierenden Hausherren nach einem prachtvollen Volleyschuss an die Stange, der das Stadion in ein gewaltiges Raunen versetzte, kurz vor Schluss doch noch auf 3:0. Anschließend folgten weitere hunderte Kilometer Autofahrt in den Freizeitpark Heidepark nahe Hannover, der von geilen Polinnen (was für Titten!) dominiert wurde und weiter nach Bayern in den Aquapark in Erding, wo man nicht minder fitte Mädels vorfand.

Ein paar Tage später fand das alljährliche Aufeinandertreffen mit Aston Villa statt. Wegen dem Trip nach Deutschland muss ich gestehen, dass ich von der Vorberichterstattung so gut wie nichts mitbekam und sich meine Vorfreude folglich etwas in Grenzen hielt. Als zu Mittag des Spieltages aber bekannt wurde, dass sich Jelavic weigerte zu spielen und sich nach Glasgow verziehe, brannte es in mir! Was für eine charakterlose Sau! Wappenküssende Hure! Im Sektor brannte es dann genauso. Dennoch ging die B-Elf der Engländer früh in Führung, Rapid machte aber weiter Druck. Mit jeder Chance wurden unsere Gesänge lauter! Und schließlich köpfelte Nuhiu (oder auch nicht) nach Hofmann-Flanke zum Ausgleich ein! Das Stadion am Toben! Mit der sinkenden Sonne verschwand in der zweiten Hälfte leider auch ein wenig das Feuer in der Kurve – und aus dem Spiel. Rapid war zwar dennoch tonangebend, eine wirklich zwingende Tormöglichkeit hatte aber nur noch Gartler freistehend vor dem Goal, der den Ball aber in Guzans Hände lupfte. Kurz vor Schluss kam bei den Gästen der ehemalige Rapidnachwuchsspieler Andreas Weimann in die Partie, der sich ein paar Minuten später in einen Zweikampf mit Veli Kavlak aber einen doppelten Bänderriss im Knöchel zuzog. Die darauf folgenden Szenen, in denen der verletzte Weimann auf der Bare bespuckt, beschimpft und mit Wasser und Bier übergossen wurde, fand ich dann doch etwas unschön und bisserl zum Schämen. Schließlich bliebs beim 1:1, keine hervorragende Ausgangslage für das Rückspiel in sechs Tagen, die Chancen auf den Aufstieg sind aber nach wie vor intakt, auch wenn der Vorteil nun realistisch betrachtet bei den Engländern ist.

Freitag, 30. Juli 2010

Sofia, oh lovely Sofia!

Letzte Saison Blut geleckt, die Tage auf die man das ganze Jahr wartet: Europacup auswärts! Die Reise nach Litauen konnte arbeitstechnisch nicht angetreten werden und so wartete ich nun über ein halbes Jahr, seit Hamburg vergangenen Dezember, auf eine Auswärtsfahrt in fremdes Gefilde. Gestern war’s dann endlich soweit, die Reise verschlug uns diesmal in den wilden Osten, genauer gesagt nach Sofia. Zeitiger als zur Arbeit läutete der Wecker, dennoch war man putzmunter, juckte es einen doch schon seit mehreren Tagen im Schritt. Mit einem amerikanischen Frühstück und dem letzten anständigen Krügerl für den Tag hoben wir auch schon Richtung Bulgarien ab, wo uns nach kurzer Flugzeit prächtiger Sonnenschein und angenehm warme Temperaturen erwarteten. Entgegen der Reisen nach Glasgow, und ganz besonders nach Birmingham, nahm unser Grüppchen sich diesmal doch vor ein wenig Sightseeing zu betreiben. Nachdem uns die Busse aber eh zur Hauptattraktion, der Alexander Newski Kathedrale (das Goldene Dach in Innsbruck ist ein Scheiß dagegen!), kutschierten, war der einzige Punkt auf unserer Liste auch gleich abgehakt. Nach einer kurzen Besichtigung der imposanten Kathedrale, schlenderten wir durch die Innenstadt, wo uns ein kleiner Trödelmarkt mit Nazi- als auch Kommunisten-Relikten aus alten Tagen ins Auge stach. Kurz ging der Adrenalinpegel dann in die Höhe, als wir aus etwa zweihundert Meter Distanz tobenden Lärm einer Menge wahrnahmen, „es poscht scho!“. Die Meute stellte sich schließlich als Demonstration gegen die Regierung heraus, wie uns ein Einheimischer erklärte. So spazierten wir noch weiter durch das Gassenwerk mit Ostblockcharme anno 1989; lediglich die modernen Autos holten einen in die neue Welt zurück. Der Durst nach einem ersten Bier wurde dann endlich in einem der zahlreichen Lokale der Kette „Happy“ gelöscht. Dort waren dann vor allem die Männer so richtig happy! Bis auf einer Kellnerin passte einer jeden ihr rotes Fünf-Zentimeter-Rockerl und ihr hautenges Top wie angegossen, da wurde das Essen dann auch schnell zur Nebensache. Nach ein paar Kamenitzas, musste ein paar Ecken weiter ein Zagorka aus der Dose herhalten (wobei es auch ein einheimisches Kaiser-Bier gegeben hätte), welches mich aber auch nicht gerade vom Hocker riss, beide schmecken für meine Begriffe etwas fad. Über die Narodno Sabranie, wo uns ein auskunftsreicher Polizist erklärte, dass da vor uns gerade das Parlament stehe, und an der Universität vorbei, ging es in den Borisova Gradina, dem Borispark. Wo wir uns die letzten Sehenswürdigkeiten, ein Monument der Sowjetischen Armee, das Vasil Levski-Stadion, das Nationalstadion der Bulgaren, sowie die ein oder andere scharfe Ostblocktussi betrachteten, um eher rasch in einen gemütlichen Schanigarten Platz zu nehmen (wo uns erneut eine fesche Bulgarin bediente) um die nächsten Kamenitzas in Copa-Kagrana-Ambiente zu kippen. Auf Grund der Hitze machten sich die paar Bier dann schon allmählich bemerkbar, Durst machte sich breit. So stieg man von Kamenitza wieder um auf Zagorka. Dann noch kurz zu McDonald’s, wo man ebenfalls auf fesche Ostblockmädels traf und ab Richtung Georgi Asparuhov Stadion, der Heimstätte von Levski Sofia. Die Bude machte einem klar, dass man im ehemaligen Ostblock war. Unkrautbefall auf den Steintreppen überall im Sektor, die Metallsitzbänke vom Rost überzogen. Ein richtig kultiger Ground! Die Beroe-Fans machten auf der Seitentribüne unter dem Dach ab und an Lärm, wenn es in unserem Block aber rund ging, vernahm man von der Seite lediglich Pfiffe gegen unseren Support. Hofmann netzte per Penalty anfangs die verdiente Führung, im zweiten Durchgang gaben wir das Spiel aber völlig aus der Hand. Nach fragwürdigen Wechsel und braver Bettelei unserer Defensive, kassierten wir kurz vor Ende doch noch den Ausgleich, verdient für die Bulgaren, die kurz zuvor an der linken Stange scheiterten. Danach ging es hurtig zurück zum Flughafen, wo noch ein letztes Zagorka gekippt wurde, ehe der Disco Pogo, das halbe Flugzeug aus dem Schlaf riss.

Freitag, 23. Juli 2010

Eine kleine Peinlichkeit

Mittlerweile wird es schon zu Tradition. Nach erbärmlichen Leistungen der wenige Schlaf. Nur eher selbstverschuldet. Nicht die groteske Darbietung war es die mir den Schlaf raubte (den ich am Vormittag noch im kühlen Keller-Archiv am Boden nachholte), sondern eher die Sauferei. So waren es wieder Mal nur vier Stunden. Nicht viel mehr als nach der Partie in Innsbruck. Im Nachhinein ist mir mein eigenes Auftreten zu tiefst peinlich. Nicht weil ich im Vollsuff Mädchen am Hintern greife oder sonstige Taten, die ich nüchtern eher nicht machen würde, sondern meine Einstellung, und eigentlich die unserer gesamten Truppe gestern, gegenüber Rapid. Nach dem Hinspiel war es eh schon eine gmahde Wiesn. Deswegen überlegten wir nicht lange und orderten beim Wirten noch ein Abschlussseiterl und dann noch eines. Und dann noch eines im Rapid-Dorf und dann war man erst in der zwölften Minute im Stadion. Und hörte gerade noch die Pfiffe gegen den Herrn Saurer. Vom Spiel selbst bekam ich in meiner Panier nicht mehr ganz so viel mit als normal. Beim Stand von 1:1 musste neuer Stoff her; gerade ward doch ein Liptauer ausgeschlossen, jetzt konnte ja nicht mehr viel passieren. Also verließen wir die West und übersiedelten ins Pub vis-à-vis. Dass wir nun vier Treffer verpassten und womöglich die beste Leistung vom Gartler für die ganze Saison, wurmt mich am Tag danach, nüchtern, doch sehr. Ich gelobe Besserung und werde wieder früher kommen und später gehen, wie’s eigentlich immer schon war. Und hoffe, dass auch die Mannschaft Besserung gelobt. Oder es zumindest versucht.

Freitag, 16. Juli 2010

Die Leiden des jungen Rapidlers

Verdammt weh hat’s getan. Nach dem letztjährigen Europacup-Furioso mal nicht dabei zu sein. Was soll man(n) tun, wenn man(n) arbeiten muss – mehr oder minder. Schaut man(n) sich den ersten Pflichtspielauftritt seit langem halt im Patschenkino an und verzichtet auf litauische Schönheiten und billiges Bier. Dass die Mannschaft nicht überzeugend auftrat, bemerkte man auch im TV. Heikkinen rannte über den Platz als sehe er zum ersten Mal einen Fußball, Trimmel stolperte rechts außen mehr herum als er wirklich rannte, der linke Flügel mit Katzer und Kavlak völlig indisponiert und Patocka…ja, Patocka halt. Dennoch bereitete Kayhan mit einem herrlichen Lochpass über das halbe Feld die frühe Führung vor. Trimmel legte kurz vor Schluss noch ein zweites nach, sonst gab es aber wenig positives zu berichten. Dreihundert Schlachtenbummler in die litauische Pampa, das kann schon was! Hedl, neuer Einsergoalie auch; hielt, was zu halten war, ohne grobe Probleme; nur ein Freistoß an die Latte, sorgte nach einer halben Stunde für ein mulmiges Gefühl. Kayhan mit kleinen Unsicherheiten, aber in Ordnung, die Neuen, Sonnleitner und Hinum, auch mit einer konstanten Leistung und bei Dober scheint’s wurst zu sein ob aus fünfunddreißig oder fünf Meter, einfach mal voll draufhalten. Ansonsten kann ich von wilden Auswärtsfahrten, Alkoholexzessen, Weibergeschichten, Fensterurinalen et cetera leider nichts berichten, der ein oder andere kennt aber bestimmt wen der oben war, oder sogar selbst mit von der Partie war. Ich kann nur sagen, dass Europacupreisen in den Osten bestimmt nicht gefährlicher sind als ein Besuch im Gänsehäufel, weil sogar dort fladern sie einem die Schuhe. Und das habe ich erlebt – leider. Also kneeps up! Auf nach Bulgarien! Mit Schuhen.

Freitag, 14. Mai 2010

Ein Blick zurück

Tops
+ 110 Jahre
Im Jubiläumsjahr gelang es den Verantwortlichen mit Schalke04 und dem FC Liverpool zwei Topmannschaften nach Wien zu lotsen. Musste man gegen die Piefke eine 1:2-Niederlage hinnehmen, konnte man Englands Rekordmeister (auch wenn nur mit einer 1b-Garnitur) bei einer fantastischen Kulisse einen 1:0-Sieg abringen. Unvergessen auch jene Szene als der blutjunge Pehlivan ohne Rücksicht auf Verluste den Weltstar Gerrard von der Seite niedermäht und Pehlivan mit einer jugendlichen Selbstverständlichkeit aufsteht und den Engländer cool liegen lässt.

+ Zypern
Ein grandioser Sommertag auf der Insel im Mittelmeer! Für Abkühlung sorgten kühles Bier und die Fluten. Das Spiel war an Spannung nicht zu übertreffen, Trimmel in der Verlängerung aber mit der Entscheidung und einem Torjubel der seines gleichen sucht.

+ Aston Villa
Schon das Hinspiel sollte in die Geschichte eingehen, Rapid ringt dem Sechsten der vergangenen Premier League-Saison ein 1:0 ab. Die Reise nach Birmingham unter den ewigen Top3-Auswärtsfahrten! Das „Figures of Eight“ in grün-weißer Hand, der Chorteo durch die Innenstadt eindrucksvoll, der Support im Stadion lautstark und das Spiel selbst toppte den Spannungsgehalt von Zypern noch mal. Jelavic schießt den Anschlusstreffer und bringt eine totgesagte Rapid in die Gruppenphase! Und die englischen Medien holen sich wegen dem geisteskranken Support noch zwei Wochen später einen runter!

+ Hamburger SV
Gegen den hanseatischen Traditionsverein folgte das nächste Märchen! Mit drei Toren schoss man die Piefke aus dem Prater und sorgte in ganz Europa für Schlagzeilen. „Rapid marschiert, Wien regiert, ganz Europa wird paniert!“ Dass Rapid in der Europa-League die besten Zuschauerwerte aufweisen kann, stellte man beim Rückspiel in Hamburg noch einmal eindrucksvoll unter Beweis. Mit über 8.000 Schlachtenbummler (wobei ein beträchtlicher Anteil in die Rubrik Gloryhunters fällt und das ganze ein wenig relativiert) fiel Rapid im Norden Germaniens ein, der Kiez in grün-weißer Hand!

+ Glasgow Celtic
Wieder war es Jelavic, der Rapids Tor erzielte. Und das nach drei Minuten. McDonald gelang eine Viertelstunde später leider der Ausgleich, sodass eine weitere Sensation ausblieb. Wobei man in Glasgow erst einmal punkten muss. Manchester United, AC Milan oder FC Barcelona können ein Lied davon singen, auch ihnen gelang nicht mehr.

+ Derbysiege
Beide Heim-Derbies wurden diese Saison eindrucksvoll für sich entschieden! Dem 4:1 im November folgte ein süßer 2:0-Erfolg im März über die Gäste dieser Stadt. Und auf den Straßen sah man nur eine handvoll Unaussprechlicher.

+ Offensive
Mit Hoffer-Maierhofer gab man den 50-Tore-Sturm ab und jeder prophezeite den Untergang. Es kam aber alles anders! Mit 80 Toren stellt Rapid mit Abstand die beste Offensive Österreichs - zum dritten Mal in Folge! Hofmann der erste Mittelfeldspieler, der sich die Torschützenkrone sichert und mit Jelavic (18 Toren) und Salihi (15) folgen weitere Toptorjäger!

+ Pipi Langstrumpf
Eh wohl die geilste Scheibe, ging der Block West im Heimspiel gegen Celtic zu genau diesen Rhythmen so richtig ab! Drei Ränge, zehntausend Menschen, hüpfend und glückselig singend. Ein paar Minuten vollkommener Zufriedenheit. Gänsehaut!

+ Neustadt Pogo
Trotz zweimaliger Führung nur ein Punkt. Der dreizehnminütige Pogo auf den vom Nieselregen nassen Steinstufen aber legendär!

+ Mattersburger Wechselgesang
Sicherlich auch weit oben anzusiedeln ist der noch nie zuvor dagewesene Wechselgesang mit der Haupttribüne am letzten Spieltag in Mattersburg. Die realistischen Chancen auf den Titel waren mickrig, die Hoffnung stirbt aber zuletzt. Folge dessen hätte man den Gästeblock zweimal vollbekommen, so wichen hunderte Rapidler auf die Haupttribüne aus und inszenierten gemeinsam eine akustische Meisterleistung.

+ Ciao, Jimmy!
Ein Herz-Schmerz-Moment kurz vor Anpfiff der dritten Runde. Jimmy Hoffer wurde Richtung Italien verabschiedet. Der damals 22-Jährige netzte für Rapid in 85 Spielen unglaubliche 41 Mal. Unvergessen seine drei Tore beim 0:7 in Salzburg oder seine vier Treffer in einer Halbzeit beim 2:7 in Altach.

+ Pacult vs. Medien
Der Auszucker am vorletzten Spieltag war der bis dato letzte Akt eines unterhaltsamen Stückes, das sich bereits über die gesamte Saison zieht und im neuen Jahr bestimmt eine Fortsetzung findet. PP wohl der einzige Bundesliga-Trainer mit Eiern in der Hose, der sich nicht alles andichten lässt. Oder vielleicht gerade weil der Pacult als so ein Häferl gilt, provozieren ihn die Reporter gerne, besonders die von Sky. Ich, und da bin ich bestimmt nicht alleine, find’s jedenfalls unterhaltsam und beruhigend zu sehen, dass sich nicht ein jeder alles gefallen lässt.

+ Eigene Bilanz
Und abschließend, auch wenn Eigenlob stinkt, fällt auch meine eigene Bilanz in die Kategorie Top. Dreiunddreißig Meisterschaftsspiele, drei im Cup, elf Europacup und neun Testspiele. Damit nur zehn Spiele (davon fünf Freundschaftsspiele) verpasst. Bei den verpassten Pflichtspielen handelt es sich um beide Meisterschaftspartien in Kärnten, sowie Kapfenberg auswärts im Frühjahr, der 2. Cuprunde in St. Veit und dem Europacup-Rückspiel in Albanien.



Flops
- Hapoel Tel-Aviv
Eine wunderschöne Stadt, mehr aber auch nicht. Sportlich gab es für uns überhaupt nichts zu holen und die folgenden Schikanen am Flughafen taten ihr übriges. Das Rückspiel verlief ähnlich. Rapid anfangs überlegen, Hapoel aber mit der Führung und dem klaren Sieg. Eine sportliche Bankrotterklärung.

- Cup
Das 1:7 in St. Veit blieb der einzige lockere Erfolg. Gleich zum Auftakt zitterte man sich in Parndorf durch die Verlängerung. Im Achtelfinale gegen Blau-Weiß war man lange Zeit nicht im Stande das Tor zu treffen, konnte der unverdiente Rückstand gerade noch in ein 2:1 verwandelt werden. Und im Viertelfinale schließlich der K.o. gegen einen Tabellenletzten, der in der gesamten Saison gerade mal zwei Spiele gewinnen konnte, und das nach eigener Führung, nur wegen zweier Eigentore.

- Außendecker
Die haben wohl den einen oder anderen Punkt auf dem Gewissen. Mit Sicherheit die größte Unsicherheit der Mannschaft. Egal ob Katzer, Dober, Thonhofer oder Kulovits außen agierten, für zittern war immer gesorgt.

- Endtabelle
Auch wenn die eigenen Leistungen im groben gepasst haben, wirklich zufrieden kann man mit der Endtabelle nicht sein. Der Europacupplatz ist war erreicht, die Unaussprechlichen sind aber vor einem und die Chance auf den Meistertitel wurde einige Male leichtfertig verspielt…

- Die eigene Unfähigkeit
…war es im Endeffekt, die den Titel kostete. Zwar kann man sagen, in den direkten Duellen verloren zu haben. Denn das letzte Derby wurde genauso verloren wie das Heimspiel im Frühjahr gegen die Dosen (jeweils mit 0:1); genauso kassierte man in Salzburg Minuten vor dem Ende noch den Ausgleich. Und noch viel mehr ärgert es, wenn man gegen den LASK zuhause nur remisiert, in Neustadt nach zweimaliger Führung nur mit einem Pünktchen dasteht oder in Kapfenberg in der 91. noch den Ausgleich kassiert.

- Pyrotechnikgesetz
Am Anfang des Jahres eingeführt, mit drastischen Strafen zu kriminalisieren. Die aktive Fanszene ließ sich aber davon nicht unterkriegen und zündelt munter weiter. Ausgehend vom Block West wurde die Initiative Pyrotechnik ist kein Verbrechen ins Leben gerufen, die mittlerweile in ganz Österreich Anklang findet und sogar von aktiven Spielern in Österreich sowie aktiven Fanszenen aus dem Ausland Unterstützung genießt.

Samstag, 19. Dezember 2009

Ein letztes Mal…

Europa League, 6. Spieltag
SK Rapid - Celtic Glasgow 3:3 (3:1)
Ernst Happel-Stadion, 48.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Malek (Polen)
Tore
: 1:0, 2:0 Jelavic (1., 8.), 3:0 Salihi (19.), 3:1, 3:2 Fortune (24., 67.), 3:3 McGowan (91.)
Rapid: Hedl; Dober (30. Trimmel), Soma, Patocka, Katzer; Hofmann, Kulovits, Boskovic, Kavlak (59. Drazan); Jelavic, Salihi (78. Ildiz)
Celtic: Boruc; Caddis, Loovens, McManus, Wilson; Flood, Nguemo, Crosas, McGinn (78. Carey); Fortune (90. Killen), McGowan
Gelb: Patocka, Drazan


Zwei Stunden vor Anpfiff betraten wir zum letzten Mal für diese Saison die Ränge eines Stadions um einen internationalen Auftritt unserer Rapid zu verfolgen. Hätte es nicht geschneit und das Quecksilber Temperaturen unter Null angezeigt, wäre es kein unangenehmes gewesen. So wurde aber jeder Toilettenbesuch zum Vergnügen. Denn dort gab’s eine Heizung! Und auch der Bierkonsum hielt sich auf Grund der frostigen Temperaturen in Grenzen. Die Schotten - obwohl es sportlich um die goldene Ananans ging – zahlreich im winterlichen Vienna. Sie und 47.500 Rapidler bekamen aber nicht die besten Formationen zu sehen. Bei Rapid schieden Pehlivan gesperrt und Eder, Heikkinen und Payer verletzt aus. Beim Finnen zwickten wieder einmal die Adduktoren, Payer zerrte sich den Bauchmuskel. Vielleicht bei seiner Pyro-Aktion im letzten Heimspiel gegen Ried. Wofür der Torhüter zwar eine Ordnungsstrafe von €150 kassierte, aber kein Stadionverbot!

Acht Minuten nach Anpfiff werden viele der Mitgereisten Scotts ihren Ausflug bereits bereut haben. Nikica Jelavic stellte mit zwei sehenswerten Treffern schnell auf 2:0; erzielte zum dritten Mal dieser Saison ein Tor in der ersten Minute (Aston Villa, LASK). Die Mannschaft wollte sich gut aus dem Jahr verabschieden. In der 15. Minute stellte Salihi, nach traumhafter Vorarbeit von Jelavic, der Verteidiger Loovens mit drei Hacken aussteigen ließ, auf 3:0. Das Spiel nahm ähnliche Formen an, wie jenes vom 23. März 2008. Aber auch die Hoops waren vor dem Kasten gefährlich. Auch ihr erster Schuss landete prompt im Netz. Nach der Pause flachte die Partie ein wenig ab. Dennoch kamen die Schotten zum Anschlusstreffer. Zittern machte sich breit. Es ging um nichts mehr in der Gruppe, beide Teams waren bereits ausgeschieden. Der dritte Platz aber ein kleiner Achtungserfolg. Lange Zeit blieb es beim 3:2 für Rapid. Die Mannschaft gab alles! Bis auf Dober, der schon im ersten Durchgang ausgewechselt wurde (bereits zum zweiten Mal in diesem Herbst!). Trimmel sorgte am rechten Flügel stets für Gefahr, das Sturmduo Jelavic-Salihi harmonierte wie noch nie zuvor! Auch der eingewechselte Drazan rackerte brav, und ließ sich einige Metzchen der Schotten nicht gefallen. Amateur Muhammed Ildiz, normal gegen Baumgarten, Gaflenz oder Würmla im Einsatz, zeigte sich auch gegen die Stars aus der schottischen Premier League von einer guten Seite und wird im Frühjahr eine realistische Alternative sein. Auch die Stimmung war nicht schlecht! Highlight in der ersten Hälfte, als alle drei Ränge der Sektoren C und D im Einklang für unsere Rapid sprangen! Orgasmusverdächtig! Dennoch gelang Celtic in der zweiten Minute der Nachspielzeit tatsächlich der Ausgleich! Die Stimmung von der einen auf die andere Sekunde im Oasch!

In Anbetracht, dass man die Gruppenphase aber überhaupt erreicht hatte, mit einem Sieg gegen den Hamburger SV und dem Remis im Celtic Park, dass man Aston Villa, den aktuell Dritten der Premier League(!) in der Entscheidungsrunde ganz eliminierte, zum ersten Mal überhaupt in der Fußballgeschichte eine österreichische eine englische Mannschaft rauswarf, dass man die Vizemeisterschaft errang (auch wenn Rapid immer den Anspruch auf den Titel stellt), den vielen schönen Auswärtsfahrten, ob nach Glasgow oder Klagenfurt, den Schwimmbadbesuchen in Mattersburg oder Neusiedl, das Abkühlen im Meer, auf Zypern oder in Israel, die vielen tausend Kilometer, die wir für unsere Farben zurückgelegt haben, all das erwartet uns im Jahr 2010 Gott sei Dank wieder. Noch heißt’s aber 56 Tage warten…

Samstag, 5. Dezember 2009

41 Stunden on tour

UEFA Europa League, Gruppe C, 5. Spieltag
Hamburger SV – SK Rapid 2:0 (0:0)
HSH Nordbank Arena, 48.000 Zuschauer (10.000 Rapid), SR Nijhuis (NED)
Tore
: 1:0 Jansen (47.). 2:0 Berg (53.)
Hamburger SV: Rost; Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo (87. Bertram); Jarolim, Rincon; Trochowski, Tesche, Jansen (83. Tavares); Berg (76. Petric)
Rapid: Payer; Kulovits, Soma, Jovanovic, Katzer; Heikkinen (66. Dober), Pehlivan (52. Salihi); Kavlak, Hofmann (79. Thonhofer), Boskovic; Jelavic
Gelb: Jarolim;Pehlivan, Heikkinen, Katzer, Soma, Kulovits, Boskovic, Thonhofer


„Gute fahrt burschen bin gleich in dresden :-D“, erreichte uns jene SMS Dienstag, um vierteldrei Uhr morgens. Während unsere Freundin schon auf deutschem Boden war, stiegen wir in Wien-Erdberg erst in unsere Busse ein. Schließlich machten wir wenige Stunden später ebenfalls auf einer Raststation vor Dresden Halt und vertrieben uns mit einem in Znajm gefundenen Schuh durch „Fußball“spielen die Zeit. Über Magdeburg und Hannover brachten uns unsere zwei eifrig fahrenden Ungarn in Rekordzeit nach Hamburg. Durch die verfrühte Ankunft in der Hansestadt, blieb uns noch wenig Zeit um der Reeperbahn einen kleinen Besuch abzustatten. Der Kiez in grün und weiß! Der Hans-Albers-Platz in diesen Stunden österreichisches Territorialgebiet! Nach ein paar Bier, fuhren wir mit der S-Bahn allerdings wieder Richtung HSV-Stadion.

Unser Gästeblock kurios aufgeteilt, in der Ecke zwischen Süd- und Westtribüne, wobei noch jede Tribüne zwischen Rapid und HSV geteilt wurde. Die bis zu 10.000 Wiener verteilten sich im ganzen Stadion! Sogar in der Nähe der Heimtribüne nahmen Rapidler Platz. Das Sicherheitspersonal stets auf Ordnung bedacht, das Stehen in einem anderen Sektor als jenem auf deiner Eintrittskarte so gut wie nicht möglich. Mit einem kleinen Trick konnte das Ordner-Personal trotzdem getäuscht werden, sodass sich unsere Gruppe von zirka zehn Mann ohne Probleme im untersten Sektor platzieren konnte. Das Spiel selbst war zum Vergessen! Das grün-weiße Fahnenmeer und das Spruchband „Hauts eich eine Burschen!“ konnte Rapid an jenem Abend nicht beflügeln. Der Ein-Mann-Sturm bekam bis auf eine Aktion in der Anfangsminute keine brauchbaren Bälle, sodass im Spiel nach vorne rein gar nichts klappte. Bis zu Pause konnten wir aber die Null halten. Dann unterlief Jovanovic ein katastrophaler Abwehrfehler, den die Piefke zur Führung nutzen. Und nur wenig später gelang durch einen wunderbaren Drehschuss auch das 0:2. Der inkompetente niederländische Referee übersah in der Folge ein klares Elferfoul an Nikica Jelavic von Torhüter Rost; in der selben Szene auch noch ein Stangenschuss von Rapid. Danach war die Luft endgültig draußen. Wenigstens konnte fantechnisch auf allen Ebenen überzeugt werden, der HSV-Support lächerlichst! Eine Schwebebühne, drei Fahnen und alle fünf Minuten mal ein Lied, Torjubel und sonst nichts. Die Tribünen zehn Minuten nach Schlusspfiff menschenleer. Wir hingegen feierten unsere tapferen Spieler, waren nach Schlusspfiff lauter als der HSV-Anhang, obwohl wir jene waren, die verloren hatten!

Nach einem netten Nachtspaziergang, waren wir schließlich froh aus der Arschkälte in den warmen Bus zu steigen. Kurz nach Mitternacht waren die Lichter dann bis acht Uhr morgens aus. Da waren wir dann Gott sei Dank auch schon in Prag. Die restlichen fünf Stunden bis Wien vertrieben wir uns mit amüsanten Erzählungen von früheren Europacupspielen und Bier.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Aufgeregt

Ich muss sagen, ich bin viel zu aufgeregt um jetzt groß Berichte über die Spiele gegen Sturm oder die Dosen zu posten. Fakt ist, nach dem Derbysieg, dem verdienten und fairem 2:1 gegen Sturm und dem Remis in Sbg, ist Rapid Tabellenführer und wird hoffentlich auch als solcher überwintern. Warum mich meine Eier gerade so jucken und ich mich kaum konzentrieren kann? Nein, nicht mangels Sex, sondern weil wir in wenigen Stunden Richtung Hamburg aufbrechen. Zur alles entscheidenden Europacupschlacht! Mit tausenden anderer grün-weißer Schlachtenbummlern. Mit dem Bus werden wir knapp einen halben Tag unterwegs sein und erst am späten Mittwochnachmittag ankommen. Sei’s drum, die Fahrt wird wie schon anno 2007 nach Brüssel unpackbar! Intensiv! Enthusiastisch! Leidenschaftlich! Unvergesslich! Kolossal!
In diesem Sinne…
FORZA RAPID!

Freitag, 6. November 2009

Mazeltow! – Die Zweite

SK Rapid - Hapoel Tel Aviv 0:3 (0:1)
Ernst Happel-Stadion, 49.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Skjerven
Tore
: 0:1 Jadin (13.), 0:2 Vermouth (65.), 0:3 Natcho (70.)
Rapid: Payer; Dober, Soma, Patocka, Katzer, Heikkinen, Pehlivan (57. Gartler), Kavlak (65. Drazan), Hofmann, Boskovic, Jelavic (80. Salihi)
Hapoel: Enyeama; Bondarv, Badir, Douglas, Dajan, Natcho, Jadin (87. Sandberg), Vermouth, Vucicevic (59. Menteshashvili), Shechter, Yeboah (73. Lala)
Gelb: Jadin

Sicher spukte das 1:5 von Tel-Aviv noch in so mancher Köpfe, doch genau dieses Ergebnis sollte zu einem wahren Sturmlauf beflügeln. Sollte. Die Rapid-Mannschaft begann schwungvoll, spielte wie gegen den HSV im ersten Durchgang auf das Tor vor der Kurve. Doch der letzte Pass wollte nicht ankommen. Boskovic versuchte es aus der Ferne, der nigerianische Schlussmann Hapoels parierte aber glänzend. Der Esprit aus den Anfangsminuten war nach dem Sonntagsschuss zum 0:1 für die Gäste schnell verflogen. Die Defensive der Israeli stand kompakt, im Mittelfeld ließen uns die „Arbeiter“ nicht ins Spiel kommen. Und immer wieder setzten die flinken Außen Nadelstiche in unsere Abwehr. In der Folge war es wieder einmal Jelavic der den verdutzten Enyeama per Kopfball überhob und zum dritten Mal in den beiden Spielen gegen Hapoel Aluminium traf! Die durchschnittliche Leistung übertrug sich auch auf die Kurve. Europacuptourismus par excellence! Viele unbekannte Gesichter; und wenn auf dem Rasen nichts ging, verstummten auch große Teile unseres Sektors. Im zweiten Spielabschnitt war am Feld die Luft völlig draußen. Unsere Jungs versuchten es zwar, scheiterten aber immer wieder an der stabilen Abwehr. Hapoel drängte auf das zweite Goal, machte nun mehr für’s Spiel und wurde dafür belohnt. Zuerst tänzelt Vermouth unseren Schlussmann aus, ein paar Minuten später kann Natcho nach Totalversagen unseres rechten Außendeckers sogar auf 0:3 erhöhen. Zur Rapid-Viertelstunde traten die ersten Touristen die Heimreise an. Die wahren Fans aber blieben bis zum bitteren Schluss. Und gaben sich im Anschluss in einem innerstädtischen Pub so richtig die Kante.

Samstag, 24. Oktober 2009

Mazeltow!

Hapoel Tel-Aviv – SK Rapid Wien 5:1 (1:1)
Bloomfield Stadium, 10.000 Zuschauer (650 Rapid), SR Jakobsson
Tore
: 1:0 Dober (ET/30.), 1:1 Hofmann (31.), 2:1 Menteshashvili (54.), 3:1 Vucicevic (58.), 4:1 Vermouth (69.), 5:1 Lala (90.);
Hapoel: Enyeama, Bondarv, Da Silva, Jadin, Ben Dajan, Vermouth, Natcho, Menteshashvili, Vucicevic (82. Sahawi), Yeboah (77. Lala), Shechter (87. Mare)
Rapid: Payer; Dober (66. Salihi), Soma, Patocka, Katzer Trimmel (73. Kulovits), Pehlivan, Hofmann, Boskovic (70. Jovanovic), Kavlak, Jelavic
Gelb: Yeboah, Vermouth, Menteshashvili


Meterhohe Wellen, großartiges Wetter und braungebrannte Mädchen. Das alles erwartete uns im wunderbar warmen Tel-Aviv. Nach kurzem Spaziergang durch das Hafenviertel ließen wir uns am Grand Beach nieder wo wir Meer, Sonne und die ersten Biere genossen. Nach dreistündiger Erholung vom zeitigen Aufstehen erkundeten wir ein wenig die Gegend um den Hafen. Der Hunger trieb uns aber schnell in den erst besten Junk-Food-Laden, den wir bereits von zuhause kannten. Ein Menü und neun Euro ärmer, trieb uns der Entdeckersinn weiter ins Stadtinnere. Zwei Kreuzungen später machte sich aber Durst bemerkbar. Ein einladend wirkendes Pub hatte leider geschlossen, sodass wir im Schanigarten eines cineastischen Cafés rasteten, wo im Inneren kühler Jazz, oder so etwas ähnliches, gespielt wurde, das Klientel sich hauptsächlich aus Studenten zusammensetzte. Die Uhr rannte gen halb sieben. Auf dem Weg zum Treffpunkt, machte sich eine Gruppe von Zehnjährigen in blau-gelben Trainingsklamotten, Jugendspieler von Maccabi Tel-Aviv, mit „Rapid Wiena“-Rufen sympathisch.

Sechs Busse rollten gegen neunzehn Uhr Richtung Bloomfield-Stadium. Eine gut gemeinte, aber völlig sinnlose Polizei-Eskorte begleitete uns zur Spielstätte. Der einfache Weg, eine Straße entlang, parallel zur Küste und irgendwann rechts nach Jaffa, der Altstadt Tel-Avivs. Dann noch wenige Minuten wieder nur geradeaus und schon war man da. Während das Küstengebiet durch auffallend hohe und edle Hotelgebäude auffiel, glich Jaffa einem Armenviertel. Keine modernen Gebäude, die Wohnhäuser heruntergekommen, die Straßen aufgerissen und verdreckt. Das Stadion detto. Auf der Rückseite der Tribünen meterlange Risse und Lücken im Beton. Das Sicherheitspersonal war sichtlich überfordert mit der Menge an Auswärtssupportern, die Sicherheitskontrollen unkoordiniert. Durch zwei enge Durchgänge betraten wir das schlichte Stadion, welches 15.000 Zuschauern Platz bietet, an jenem Abend aber nur zu gut zwei Drittel gefüllt war. Auch im Inneren wirkte das 1962 erbaute und im Jahr 2000 renovierte Bloomfield baufällig.

Die Stimmung im Block stieg jede Minute mehr. Auch die Fans von Hapoel machten sich lautstark bemerkbar, sodass es ein schönes Wechselspiel zwischen den Kurven ergab. Helle, südländische Rhythmen in der einen Kurve, grobe, kämpferisch Chants aus unserer. Beide Fanblöcke wollten ihre Mannschaft zum Sieg supporten, wir aber mit Überwasser. Jelavic an die Stange! Das Pech von Graz, es klebt uns weiter an den Fersen. Nach einer halben Stunde ein Angriff der Israeli über rechts, Stanglpass, Dober wird von Shechter zum Eigentor genötigt. Die rote Kurve wird erstmals seit Anpfiff auch in unserem Block akustisch wahrgenommen. Hapoel noch am Feiern, unterbricht ein Hofmann-Freistoß die israelische Masel. Freund und Feind fliegen am Ball vorbei, nur eine Minute später der Ausgleich. Unser Sektor am Auszucken! Das verwahrloste Bloomfield bricht auseinander, ein Radiowecker großes Betonteil bricht vor meinen Füßen aus der Stiege heraus. Gemma Burschen! Rapid nun mit Vollgas! Wieder kommt eine Flanke von rechts, Jelavic steigt in die Lüfte, sein Kopfball segelt ins rechte Eck, Enyeama schaut nur zu. Der Ball aber geht wieder ans Aluminium! Zum zweiten Mal!

Nach Wiederanpfiff erinnert mich die Drangperiode von Hapoel stark an die der Hamburger am ersten Spieltag. Diesmal bleiben wir aber nicht ohne Gegentor. Erst ein Schuss aus dreißig Metern, danach zwei Angriffe über unsere rechte Seite, bringen die Israeli schließlich in Minute 69 mit 1:4 in Führung. Erst beim 1:5 in der Schlussminute wird der Support eingestellt. Wer nun bei welchem Tor „schuldig“ war, sei dahingestellt. Mit vier Toren Differenz verlieren, da hat die komplette Mannschaft auf ganzer Linie versagt.

Nach dem Spiel sollte unsere bis dato glimpflich verlaufene Reise aber zum Kuriosum werden. Unsere „Eskorte“ hielt nicht nur bei jeder roten Ampel (was eine Eskorte ja bereits ad absurdum führt), nein, wir machten auch noch mitten auf der Autobahn halt. Einigen Busfahrern wurde es schließlich zu bunt und überholten einfach. Am Flughafen wurden wir informiert, dass wir uns beeilen sollen, da israelische Sicherheitschecks etwas länger dauern als, ja eigentlich länger als überall! Und das die Flieger aber bis 1:30 Uhr in der Luft sein müssen. Das Spiel gegen die Zeit wurde eines gegen die israelischen Sicherheitskräfte. Fehlinformationen um längere Wartezeiten und längere „Wanderwege“ im Flughafengebäude in Kauf zu nehmen, wurden mit ziemlicher Sicherheit bewusst an uns weitergegeben. Wenn wirklich unbewusst, glänzt das örtliche Personal mit grenzenloser Präpotenz und Arroganz. Willkürliche Gepäcksdurchsuchungen, angeblich beschädigte Röntgenmaschinen (mit Gepäck drinnen), falschen Wegangaben, Drogentests, höchst intime Fragen, freche Kellner und und und. Die bei Einreise erwarteten Schikanen machten sich bei der Ausreise bemerkbar. Logischerweise konnte die Abflugszeit um 1:30 nicht eingehalten werden. Nachdem sich beim Boarding-Schalter nach einer Stunde warten endlich eine Bedienstete bemüßigt fühlte uns zu bedienen und weiterer zwei Stunden Wartzeit im Flugzeug, hob unsere Maschine schließlich um halb fünf Uhr morgens, mit dreistündiger Verspätung, aus dem Land wo Milch und Honig fließt, ab. Und wird mich so bald nicht wieder sehen...

Dienstag, 20. Oktober 2009

Wer sind eigentlich diese Hapoel?

Diese Frage stellt sich dieser Tage so mancher Rapidler. Denn in der Europa-League Gruppe C ist von den drei Gegnern Hapoel Tel-Aviv die große Unbekannte. Dass der HSV und Celtic europäische Topmannschaften mit einer jahrzehntelangen internationalen Geschichte sind, kann keiner bestreiten. Folgedessen gingen Akteure, Fans und Medien mental ganz anders in diese Partien als in die übermorgige gegen die Israeli. Gegen die wird von den Medien nämlich ein Sieg erwartet. Weil man gegen die Deutschen und die Schotten so gut mithalten konnte. Da muss das donnerstags doch auch möglich sein!? Rapids Spieler aber dementieren sämtliche Favoritenansprüche. Zurecht. Hapoel ist nicht irgendwer.

In Israel einer der traditionsreichsten Klubs, wurde der Arbeiterverein 1927 gegründet. Sieben Jahre später holte Hapoel den ersten Meistertitel der Klubgeschichte. Elf weitere sollten folgen, wobei die Titel von 1935 und 1938 nach einer nicht zu Ende gespielten Meisterschaft fixiert wurden. Ebenso konnten sich die „Roten Dämonen“ zwölf Mal zum Cupsieger küren, zum ersten Mal bereits ein Jahr nach der Gründung 1928! Als einziges israelisches Team gelang den Roten aus Tel-Aviv diesen Titel dreimal in Folge zu holen!

International sorgte Hapoel 1967 für Furore als man noch an der asiatischen Kontinentalmeisterschaft teilnahm und dort im Finale den malaysischen Gegner Selangor FA mit 2:1 besiegte. Zwei Jahre später stand man erneut im Finale, musste sich allerdings den Iranern von Esteghlal geschlagen geben. Nachdem man 1962 mit dem Bloomfield Stadium eine neue Heimstätte bekam (wird mit dem Erzrivalen Maccabi Tel-Aviv genutzt; fasst 15.000 Zuschauer; 2000 saniert), konnte man 1966 und 1969 zwar noch die siebente und achte Meisterschaft gewinnen, danach ging es mit Hapoel aber steil bergab. Als amtierender Meister musste man 1970 als blamables Schlusslicht in die zweite Liga. Zwar gelang der sofortige Wiederaufstieg (nur auf Grund der besseren Tordifferenz), Hapoel sollte aber dennoch bis 1981 nicht mehr Meister werden. Meitertitel Nummer Zehn und Elf folgten in den Jahren 1986 und 1988 sowie der achte Cuperfolg 1983. Nachdem die 90er-Jahre erneut eine lange Durststrecke für den Verein darstellte und man zur Jahrtausendwende das letzte Mal die Meisterschaft gewinnen konnte, entwickelte sich Hapoel zu einem wahren Cupspezialisten. In der Zeit von 1999 bis 2007 holten die Arbeiter gleich viermal den Pokal.

International mittlerweile Mitglied in der UEFA qualifizierte sich Hapoel erstmalig für die Saison 1997/98 für den Europacup. Nachdem man in der Saison 2000/01 mit einem Gesamtscore von 1:5 gegen Sturm Graz die Champions League-Teilnahme verpasste, gelang in der Saison darauf mit dem Einzug ins UEFA-Cup-Viertelfinale nach Siegen über Chelsea London, Lokomotive Moskau und dem AC Parma, der bislang größte Erfolg. Das Viertelfinal-„Heimspiel“, für welches sich der AC Milan weigerte nach Israel zu reisen und in der Folge in Nikosia ausgetragen wurde (in selbigen Stadion, in dem Rapid diese Saison APOP Kinyras ausschaltete), ging trotzdem mit 1:0 an Hapoel. Das Rückspiel im Guiseppe Meazza gewannen die Rossoneri allerdings mit 2:0.

Für die heuer erstmals ausgetragene Europa-League konnte sich Hapoel durch die Vizemeisterschaft hinter Maccabi Haifa qualifizieren. Diese Saison starteten die Arbeiter eher holprig. Zum Auftakt gab es zwar ein akzeptables 0:0 bei Beitar Jerusalem, gegen Maccabi Petah-Tikva und zuletzt gegen MS Ashdod wurden jedoch zwei weitere Heimspiele nur remisiert. Bei Maccabi Netanya und Aufsteiger Hapoel Beer-Sheva gab es zwar zwei Auswärtssiege, nach sechs Runden mit neun Punkten Rückstand auf Maccabi Haifa scheint die dreizehnte Meisterschaft aber in weiter Ferne. International schlägt sich Hapoel mehr als beachtlich. In den Qualifikationsrunden setzte es in den Hinspielen beide Male Auswärtssiege in Göteborg (3:1) und Teplice (2:1), sodass in den Rückspielen jeweils ein 1:1-Remis reichte. Zum Gruppenauftakte konnten die Israeli das Team von Celtic Glasgow mit 2:1 zurück auf die Insel schicken! Im ersten Auswärtsspiel setzte es in Hamburg allerdings eine herbe 2:4-Klatsche!

Die bekanntesten Gesichter des 12-fachen israelischen Meisters sind der nigerianische Nationaltorwart Vincent Enyeama (43 Länderspiele), sowie der Israeli Michael Zandberg (20 Länderspiele/4Tore), der Mannschaftskapitän Walid Badir (74/12), Verteidiger Dedi Ben Dayan (21/1), der Georgier Zurab Menteshashvili (38/1) und der ehemalige 1860 München-Stürmer Nemanja Vucicevic.

Montag, 19. Oktober 2009

Mit 18 Mann nach Tel-Aviv

650 Rapidler werden ihrer Mannschaft am Mittwoch- und Donnerstagmorgen in drei Flugzeugen nach Israel folgen. Nicht ganz so viele wie in Glasgow oder Birmingham, aber trotzdem eine respektable Anzahl an Schlachtenbummlern. Der Wetterbericht verheißt Erholung vom frischen mitteleuropäischen Herbstwetter. Die Meteorologen sagen für überübermorgen knapp 30 Grad Celsius Lufttemperatur voraus und dazu leichten Wind. Eine Umstellung für jemanden, der sich bereits an die fünf Grad angepasst hat, die seit über einer Woche in Wien herrschen. Deswegen flog die Mannschaft bereits heute ins Land wo Milch und Honig fließt und hofft sich so schnell als möglich zu akklimatisieren. Trainer Pacult will seine Spieler mit zwei Trainingseinheiten täglich an das heiße Wetter gewöhnen. Mit von der Partie sind folgende 18 Mann:

Tor: Helge Payer, Raimund Hedl
Abwehr: Andi Dober, Ragnvald Soma, Jürgen Patocka, Milan Jovanovic, Christoph Schößwendter, Markus Katzer
Mittelfeld: Yasin Pehlivan, Stefan Kulovits, Branko Boskovic, Veli Kavlak, Steffen Hofmann, Christopher Drazan
Angriff: Nikica Jelavic, Mario Konrad, Hamdi Salihi, Christopher Trimmel

Nicht nach Israel mit flogen der verletzte Hannes Eder sowie die auch nicht für Graz berücksichtigt gewesenen Christian Thonhofer und Rene Gartler.

Außerdem muss unser finnischer Abräumer vor der Abwehr, Markus Heikkinen, verletzungsbedingt in Wien bleiben. Klubarzt Dr. Benno Zifko diagnostizierte heute Vormittag im Wiener Lorenz-Böhler-Krankenhaus einen leichten Adduktoreneinriss. Der Nationalspieler wird für mehrere Wochen nicht zur Verfügung stehen.